Überlebende schildern die dramatischen Erlebnisse in London: "Waren am Ersticken"
- "Nach fünf Sekunden konnten wir nichts mehr sehen"
- PLUS: Betroffene Österreicher schildern Erfahrungen
·London: Betroffene Österreicher berichten
"Panik": Zustände wie in einem Kriegsgebiet
Ein Überlebender des Terroranschlags auf die U-Bahn-Station Edgware Road in London hat am Donnerstag in seinem Internet-Weblog (Online-Tagebuch) einen Augenzeugenbericht veröffentlicht.
"Gleich nach der Station Edgware Road fuhr der Zug durch einen Tunnel. Wir wurden durchgeschüttelt wie in jeder normalen U-Bahn, als der Zug die Schienen entlang fuhr. In diesem Augenblick hörten wir einen lauten Knall. Der Zug entgleiste und ratterte den Tunnel hinunter. Er konnte nicht stehen bleiben und rollte nur weiter. Eine Serie von Explosionen folgte, als ob ein U-Bahn-Elektromotor nach dem anderen detoniert wäre. (...)
Als der Zug stehen blieb, schrien die Leute, jedoch vor allem aus Panik, da sich der Waggon schnell mit Rauch füllte und der Geruch von brennenden Motoren ein klares Zeichen für Feuer bedeutete. Bereits nach nur fünf Sekunden konnten wir nichts mehr sehen und fielen alle zu Boden, um noch die verbliebene kostbare Luft zu atmen. Wir waren praktisch am Ersticken.
Gleichzeitig war der Waggon so gut wie verschlossen; man konnte keine Fenster öffnen, keine Tür verschob sich, und offenbar gab es auch keine Notfallhämmer, um ein Herauskommen zu ermöglichen. Wenn irgendwo Vorschriften angeschrieben waren, wie man sich verhalten sollte, so waren diese unmöglich zu sehen in dem dichten, beißenden, schwarzen Rauch. (...)
Der Zug war voll mit Menschen, und so konnte man nicht in andere Waggons fliehen. Durch den Spalt zwischen den Zügen sah ich allerdings eine Fluchtroute und das beruhigte mich in der Panik; wenn die Dinge sich verschlechterten, dann konnte ich einen Ausweg entlang der Tunnelwände sehen.
Das Feuer beunruhigte mich, und der beißende Rauch schien sich nicht zu verflüchtigen. Ich beruhigte andere Passagiere, indem ich die Sache herunterspielte. (...) Man hörte überall Leute schreien; die Leute waren in der Falle, doch niemand konnte sich bewegen oder etwas tun.
Nach einer Ewigkeit ging ein Wachebeamter durch die Waggons und bat alle, dass sie sich in die entgegengesetzte Richtung bewegen sollten. Aber niemand rührte sich. Ich glaube, alle standen unter Schock. (...)
Schließlich begannen die Menschen sich in Bewegung zu setzen und blieb stehen, nachdem es wieder Verwirrung und Geschrei gab; dann kamen Verletzte aus dem Rauch. (...) Natürlich ließen wir die Verletzten zuerst gehen; ich hatte aber Angst wegen der anderen, da es keine medizinische Hilfe am Ort gab. (...)
Schließlich gelangte ich an das Ende des Zuges und stieg eine Holzleiter hinunter, etwas, was ich interessanterweise schon einmal gemacht hatte. Wir gingen durch den Tunnel zurück zum Edgware Road und da gab es frische Luft, wir konnten endlich richtig atmen.
Ich rief meine Angehörigen an und erzählte ihnen, was geschehen war; die Nachricht war zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlich worden. Ich wurde aus der Station herausgeführt und erwartete, Rettungsdienste zu sehen. Es gab keine; es war alles so schlimm, dass sie es nicht geschafft hatten."
Schließlich schreibt der Autor des Weblogs noch einige Gedanken zu dem Vorfall:
"Die Londoner Verkehrsbetriebe hätten sämtliche Stationen sofort sperren müssen, aber sie taten es nicht. Mein Vorbeischrammen am Tod hätte man mit besserer Planung verhindern können. Die Ausstattung der Züge müsste geändert werden und in Notfallplänen der Faktor, dass man nichts mehr sieht, in Betracht gezogen werden."
(apa)
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