Betroffene Österreicher berichten aus London: Die Stadt steht unter Schock!
- "Panik": Zustände wie in einem Kriegsgebiet
- Schülergruppe aus Wiener Neustadt ist wohlauf
Nach der Anschlagserie in London stand am Donnerstag eine Stadt unter Schock. "Niemand kann glauben, was da passiert ist. Es herrscht bedrückte Stimmung. Dass es gleich sechs Explosionen gab, kann niemand fassen", schilderte Winnie Wutte, eine in London arbeitende Kärntnerin, der APA. "Alle sind nervös. Natürlich fürchte ich mich selbst auch ein bisschen." Andere Zeugen sprachen von "Zuständen wie in einem Kriegsgebiet".
Winnie Wutte ist bei JP Morgan, einer international tätigen US-Investmentbank tätig. Das Büro der Frau befindet sich nur 200 Meter von jenem Ort im Finanzdistrikt entfernt, wo die erste der Bomben explodierte. "Es herrschte Panik, die Leute liefen durch die Gegend. Später standen alle ratlos herum, keiner wusste, was tun oder wohin. Dann kamen Polizisten und gaben Anweisungen. Die Menschen wurden aus der unmittelbaren Gefahrenzone evakuiert."
An Arbeit würden viele Kollegen derzeit nicht denken, schilderte Winnie Wutte am Telefon. "Man macht sich Sorgen, versucht, Verwandte und Freunde zu erreichen. In den Büros laufen die Nachrichtensendungen. Alle sind angespannt. Die Unsicherheit ist groß." Die Menschen, die sich in der Innenstadt aufhielten, mussten in Gebäuden bleiben und durften Büros oder öffentliche Räume nicht verlassen. "Darüber wurden wir per Mail unterrichtet, im Fernsehen laufen auch entsprechende Hinweise", erzählte die Kärntnerin.
Am Abend, wenn die Leute nach Hause wollen, sei ein Chaos vorprogrammiert. "Ohne öffentliche Verkehrsmittel kann man in London kaum vorwärts kommen. Niemand fährt mit dem eigenen Pkw in die Stadt. Ich werde heute jedenfalls versuchen, keinen Bus benutzen zu müssen."
Eine österreichische Schülergruppe aus Wiener Neustadt, die sich während des Anschlags in London befand, ist wohlauf. Die Jugendlichen im Alter von 16 bis 17 Jahren sowie Lehrer Horst Marowitsch hielten sich nicht in der Nähe der Explosionen auf. Wie der Lehrer berichtete, musste die Gruppe beim Hampton Court Palace ausharren. Sie wurde von der Polizei angewiesen, vorerst dort zu bleiben. Ob die Rückreise, die eigentlich für Samstag geplant ist, früher stattfinden werde, sei nicht absehbar, so der Lehrer, da alle Verkehrswege zusammengebrochen seien.
Das Handynetz in London wurde, so eine Augenzeugin, von offizieller Stelle abgedreht, um das Funknetz für Polizei und Sanitätseinsätze freizuhalten. Die Menschen kommunizierten via Internet oder, wenn möglich, über Festnetz. Joe Corkin, der sich beim Augenblick der Explosionen in der Nähe einer betroffenen U-Bahnstation befand, berichtete von "zahlreichen Verletzten", die in den Stationen medizinisch versorgt wurden. U-Bahnen und Busse standen still, Helikopter kreisten über der Stadt. "Überall ertönten Sirenen", erzählte Corkin.
Michaela Schweiger, Account Manager BT Global Glotel PLC, wohnhaft am Leicester Square und seit zwei Jahren in London: "Wir sehen überall Polizei, Rettungswagen und Spürhunde im Einsatz. Wir bleiben vorerst, wo wir sind, öffentliche Verkehrsmittel funktionieren ohnehin nicht mehr. Wir haben gehört, dass die Polizei die Zentralen der beiden Mobilfunkfirmen Vodafone und O2 übernommen hat, um zu verhindern, dass - wie in Madrid - Bomben mittels Mobiltelefon gezündet werden."
Elisabeth Bowers befand sich zum Zeitpunkt der Anschläge in ihrem Haus in Khennor, rund 50 Minuten vom Londoner Stadtzentrum entfernt. "Alle Menschen stehen komplett unter Schock", schilderte die Engländerin Kärntner Abstammung der APA. Ein Nachbar sei zu ihr gekommen und habe sie aufgeregt über die Explosionen informiert. "Wir haben sofort das Radio und Fernsehen aufgedreht und versucht, unsere Bekannten zu erreichen," berichtete Frau Bowers. Von ihren Bekannten sind glücklicherweise alle wohlauf. Die Männer, die in der Innenstadt arbeiten, wurden aber angewiesen, die Büros nicht zu verlassen. Nun heißt es: "warten", meinte die Frau.
Sie sei geschockt und in Sorge um ihren Ex-Freund gewesen, jedoch selbst unversehrt, weil außerhalb des Zentrums von London beschäftigt, berichtete die gebürtige St. Pöltnerin Ruth Mifeck nach den Terroranschlägen. Davon erfahren habe sie überhaupt erst durch SMS von Bekannten, sagte die 34-Jährige.
Mifeck lebt seit August 2000 in London. Ihr Arbeitsplatz bei der Hansgrohe AG befindet sich in Esher, ihr Wohnort ist Walton-on-Thames. In Sorge gewesen sei sie um ihren Ex-Freund Mark, der im Stadtzentrum beschäftigt ist, so die 34-Jährige. Es sei einige Zeit vergangen, bis sie ihren früheren Partner erreicht habe - wohlauf. Handys hätten vorübergehend nicht funktioniert. Ihr Ex-Freund sei Diabetiker, sein Insulin zu Hause, Züge und U-Bahnen seien jedoch stillgelegt, erzählte die gebürtige Niederösterreicherin.
(apa)
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