Sonntag, 10. Juli 2005

Sicherheitskräfte verschleppt und getötet: Taliban enthaupten insfesamt 11 Polizisten

  • Angeblich auch US-Soldat unter den Opfern

Die radikalislamischen Taliban haben in der südafghanischen Provinz Helmand mehrere afghanische Sicherheitskräfte verschleppt und geköpft. Provinzgouverneur Sher Mohammad Akhunzada sagte der Nachrichtenagentur Pajhwok am Sonntag, die Leichen von elf enthaupteten Polizisten seien gefunden worden.

Ein hochrangiger Kommandeur in Helmand, Mohammad Rasoul, sprach dagegen von sechs geköpften Soldaten. Taliban-Sprecher Abdul Latif Hakimi hatte am Samstag gesagt, die Rebellen hätten in der ostafghanischen Provinz Kunar auch einen US-Soldaten enthauptet.

Das US-Militär vermisst in Kunar seit Ende Juni ein Mitglied einer Spezialeinheit. Beweise für den Tod des Soldaten lieferten die Taliban nicht. Hakimi sagte, der Mann sei nach einem Beschluss des religiösen Rates der Taliban hingerichtet worden. Die Leiche sei im Distrikt Shigal abgelegt worden und könne von den US-Truppen geborgen werden. Eine Sprecherin der US-Streitkräfte in Kabul bestätigte den Tod des Soldaten nicht. Die Suche nach ihm werde fortgesetzt, sagte sie.

Ein Soldat der vermissten Spezialeinheit war vor wenigen Tagen verletzt geborgen worden. Koalitionstruppen hatten außerdem die Leichen von zwei seiner Kameraden gefunden. Bei der Suche nach der Spezialeinheit war Ende Juni ein US-Hubschrauber von Taliban-Kämpfern abgeschossen worden. Alle 16 Soldaten an Bord waren ums Leben gekommen. Nach dem Abschuss des Helikopters vom Typ CH-47 Chinook hatten US-Flugzeuge die Region bombardiert. Dabei waren nach offiziellen afghanischen Angaben 17 Zivilisten getötet worden.

Die enthaupteten afghanischen Sicherheitskräfte waren am Freitag bei einem Überfall der Taliban auf einen Konvoi in Helmand verschleppt worden. Hakimi hatte gesagt, ihr Schicksal solle wie das des US-Soldaten vom religiösen Rat der Taliban beschlossen werden. Bei dem Angriff waren nach Angaben der Rebellen außerdem sieben Angehörige der Sicherheitskräfte getötet worden. Nach Angaben des Provinzgouverneurs kamen die Taliban-Kämpfer aus dem nahen Pakistan, wohin sie nach dem Überfall wieder flohen.

Die afghanische Regierung wirft Pakistan immer wieder vor, im Grenzgebiet zu Afghanistan nicht ausreichend gegen die Rebellen vorzugehen. Nach einem relativ ruhigen Winter haben die Angriffe der Taliban in den vergangenen Monaten wieder drastisch zugenommen. Am 18. September sollen in Afghanistan die ersten Parlamentswahlen seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 stattfinden. Es wird davon ausgegangen, dass die Rebellen versuchen werden, ihre Angriffe zum Wahltermin hin weiter zu verstärken. Die ausländische Truppenpräsenz in Afghanistan soll zur Sicherung der Wahl ausgebaut werden.
(apa)

10.7.2005 08:34