Mittwoch, 6. Juli 2005

Wegen Schweigen über Informanten: US- Reporterin muss jetzt ins Gefängnis!

  • Miller recherchierte zu Affäre um CIA-Agentin Plame
  • "Time"-Reporter Cooper gab hingegen klein bei

Wegen der Verweigerung der Auskunft über ihre anonymen Quellen ist die US-Journalistin Judith Miller ins Gefängnis geschickt worden. Richter Thomas Hogan ordnete am Mittwoch in Washington an, dass die Reporterin der renommierten "New York Times" maximal vier Monate in Haft verbringen muss. Sie kann früher freikommen, falls sie sich doch noch entschließt, ihr Schweigen zu brechen. Die Journalistin beruft sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht.

In dem Fall geht es um ihre Recherchen zu der Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame. Die US-Justiz untersucht, ob Regierungsmitarbeiter deren Identität lüfteten, um sich an ihrem Mann, dem früheren US-Botschafter Joseph Wilson, zu rächen. Wilson hatte die Darstellung von Präsident George W. Bush bestritten, der frühere irakische Machthaber Saddam Hussein habe in Niger waffenfähiges Uran zu kaufen versucht. Die Enttarnung einer Undercover-Agentin ist nach dem US-Recht eine Straftat. Miller war der Frage nachgegangen, wer die Identität der Agentin mit welcher Absicht enthüllt hatte. Sie hatte über diese Recherchen aber nie einen Artikel geschrieben.

Der Richter entschied, dass Miller ihre Quellen benennen müsse, da sie sonst die Aufklärung einer mutmaßlichen Straftat behindere. Der ebenfalls in dem Fall belangte Reporter des Nachrichtenmagazins "Time", Matthew Cooper, kam um eine Gefängnisstrafe herum, da er seine Kooperation mit der Justiz zusagte. Cooper sagte, seine Quelle habe ihm am Nachmittag persönlich grünes Licht gegeben, seine Identität preiszugeben. Richter Hogan erklärte, er nehme das Angebot an.

Ob es sich bei dem Informanten um dieselbe Person handelt, von der auch Judith Miller den Namen der Agentin Valerie Plame erhielt, war zunächst unklar. Miller erklärte, sie werde ihre Quelle nicht nennen. (apa)

6.7.2005 21:56