Parlamentswahlen in Albanien: Opposition vor Rückkehr an die Regierungsmacht
- Laut vorläufigen Ergebnissen zeichnet sich Sieg ab
- Anhänger von Ex-Präsident Berisha feiern schon

Die Opposition in Albanien steht offenbar vor einer Rückkehr an die Regierungsmacht. Laut vorläufigen Ergebnissen zeichnete sich bei der Parlamentswahl ein deutlicher Sieg der Demokratischen Partei (PD) von Sali Berisha ab, wie die Wahlkommission am Dienstag mitteilte. Demnach lagen die Demokraten in 53 der 100 Wahlbezirke vorn und die regierenden Sozialisten (PSSH) von Ministerpräsident Fatos Nano in 35. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hatte bei der Wahl vom Sonntag einige Unregelmäßigkeiten kritisiert.
Berisha sagte, die vorläufigen Ergebnisse zeigten, dass "der Sieg gefestigt wird". Tausende seiner Anhänger feierten bereits in der Nacht zum Dienstag vor der Parteizentrale und in den Straßen Tiranas. Nanos Sozialisten erhoben ebenfalls Anspruch auf den Wahlsieg und erklärten, zunächst müssten alle Stimmen ausgezählt werden. Das Endergebnis wurde für Dienstagabend oder Mittwoch erwartet. Ursprünglich war es bereits für Montag angekündigt gewesen, die Auszählung der Stimmen dauerte jedoch noch an.
Der erbitterte Streit zwischen den beiden wichtigsten Konkurrenten hat nach offiziellen Angaben die Stimmauszählung nach der Parlamentswahl erschwert. Die Stimmauszählung sei durch das Verhalten der beiden wichtigsten Parteien "schwer belastet", beklagte der Chef der zentralen Wahlkommission, Ilirian Celibashi, am Dienstag. Das ursprüngliche Ziel, das Wahlergebnis zwölf Stunden nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend zu verkünden, sei angesichts der Einmischung und des Drucks von Parteianhängern in mehreren Wahlkreisen nicht zu halten gewesen.
Gleichzeitig räumte Celibashi ein, dass "der Wahlverlauf vom 3. Juli der beste in den vergangenen 15 Jahren" gewesen sei. Auch die Wahlbeobachtungsmission der Frankophonie-Organisation bestätigte in ihrem Bericht, dass die Wahlen am vergangenen Sonntag einen "echten Fortschritt im Vergleich zu den vorigen" gebracht hätten, wie die albanische Nachrichtenagentur ATA meldete. Es habe allerdings Unregelmäßigkeiten wie unvollständige Wählerlisten, gemeinsame Abstimmung von Familien und unzureichende Identifizierung von Wählern gegeben, hieß es in dem Bericht der Frankophonie-Mission weiter.
Die OSZE erklärte, gegenüber früheren Wahlen habe es zwar Fortschritte gegeben, die Abstimmung sei jedoch von organisatorischen Problemen und Berichten über Unregelmäßigkeiten überschattet gewesen. Der schwerste Zwischenfall war der gewaltsame Tod eines Wahlhelfers, der in einem Wahllokal in der Hauptstadt Tirana erschossen wurde. Am Montag kamen in der südlichen Stadt Lushnje zwei Menschen bei Kundgebungen ums Leben. Die Umstände waren laut Polizei zunächst unklar.
Die Wahl galt als wichtige Etappe in den Bemühungen des Balkanlandes um einen Beitritt zur NATO und um engere Beziehungen zur Europäischen Union. Um die 140 Parlamentssitze bewarben sich Kandidaten aus 22 Parteien und Listenverbindungen. Vorläufigen Zahlen zufolge lag die Wahlbeteiligung bei 56 Prozent der rund 2,8 Millionen Stimmberechtigten. Die Wahl wurde von etwa 500 internationalen und 4.000 einheimischen Beobachtern überwacht.(apa/red)
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