Flüchtlingstragödie in Italien: 2 Iraker in österreichischem Lkw tot aufgefunden
- 1. Erkenntnisse: Opfer waren irakische Kurden
- Lkw-Fahrer und Überlebende werden befragt

Die zwei Flüchtlinge, die in der Nähe der norditalienischen Stadt Vicenza in einem Lkw mit österreichischen Kennzeichnen tot gefunden worden sind, waren irakische Kurden. Das teilte die italienische Polizei mit. Die Opfer, Khaled Razhol und Khal Koder, waren beide 24 Jahre alt. Sie wurden anhand von Dokumenten identifiziert, mit denen sie politisches Asyl in Griechenland beantragt hatten.
Die beiden überlebenden Migranten, die zusammen mit den Leichen im Laderaum des Lkw einer oberösterreichischen Speditionsfirma gefunden worden waren, konnten am Dienstag aus dem Spital von Vicenza entlassen werden. Die Flüchtlinge berichteten, dass ihre Reise in der Türkei begonnen hatte, wo sie einer Schlepperbande einige tausend Euro gezahlt hatten. Die Bande hatte ihnen geholfen, sich im griechischen Hafen von Patras in dem österreichischen Laster zu verstecken.
Der Lkw-Fahrer, der nach jüngsten Polizeiangaben ein Grieche und nicht ein Deutscher ist, wurde von der italienischen Polizei lange befragt. Der Chauffeur hatte den Wagen von Patras per Schiff nach Venedig gefahren. Er war nach Österreich unterwegs, als er auf einem Rastplatz die Immigranten im Laderaum entdeckte, berichtete der Fernfahrer. Wegen der hohen Temperaturen - im Fahrzeuginneren hatte es bis zu 50 Grad - waren zwei der vier Männer ums Leben gekommen.
Lkw gehört Firma aus OÖ
Der Lkw gehört einer oberösterreichischen Speditionsfirma. Die Behörden gehen davon aus, dass sich vier Immigranten am Sonntag im griechischen Hafen von Patras in den Lkw geschlichen haben. Wegen der Temperaturen, die im Fahrzeug bis zu 50 Grad erreichten, seien zwei von ihnen - Männer im Alter zwischen 20 und 30 Jahren - ums Leben gekommen.
Die Immigranten, vermutlich Iraker, hatten nur wenige Wasserflaschen bei sich, die leer neben den Leichen gefunden wurden. Im Lagerraum wurden auch griechische Dokumente zum Asylantrag gefunden. Die Behörden schlossen nicht aus, dass die beiden Opfern und die Überlebenden der selben Familie angehören.
Der griechische Lastwagenfahrer, der mit seinen beiden Töchtern im Alter von sechs und elf Jahren unterwegs war, berichtete, er habe erst bei einer Inspektion auf einem Autobahnrastplatz nahe Vicenza von den Immigranten in seinem Lkw erfahren. Er alarmierte die Polizei, die ihn lange vernahm. Der Lkw wurde beschlagnahmt.
Die beiden Überlebenden weinten und brüllten verzweifelt in einer unbekannten Sprache. Sie waren stark mitgenommen und wurden in ein Spital von Vicenza gebracht.
Tausende Flüchtlinge aus Afrika und Asien gelangen jedes Jahr mit Booten über das Mittelmeer nach Italien. Viele reisen dann weiter nach Deutschland und Frankreich. Andere Routen verlaufen per Autobahn über den Balkan nach Norditalien. Das illegale Einschleusen in die "Wohlstandsinsel Europa" ist seit Jahren ein lukratives Geschäft professioneller Schlepperbanden. Die Migranten zahlen ihnen Tausende Dollars. Immer wieder kommen Passagiere dabei ums Leben, meist auf der Überfahrt über das Mittelmeer.(apa/red)
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