Sonntag, 10. Juli 2005

Langsame Entspannung in Hochwasser- Gebieten: Jetzt beginnen Aufräumarbeiten

  • Salzburg am schwersten betroffen. Beruhigung der Situation auch in Nieder-, Oberösterreich und Tirol
  • PLUS: Alle Bilder, Wetterprognose & Straßensperren

Nach dem Nachlassen des Dauerregens und dem Rückgang der Pegelstände begannen Dienstagnachmittag in Salzburg die Aufräumungsarbeiten. Schwerpunkt war der Pinzgau und hier das überflutete Mittersill, wo der Einsatz von Feuerwehren, Rotem Kreuz, Wasser- und Bergrettung sowie Bundesheerkräften die Nacht über weitergeführt wurde. Am späten Nachmittag traf Verteidigungsminister Günther Platter (V) in der Pinzgauer Marktgemeinde ein und sicherte LH Gabi Burgstaller (S) weitere Assistenzleistung des Bundesheeres zu.
Drei Verletzte forderte das Hochwasser in Bad Hofgastein. In Nieder- und Oberösterreich hatte sich die Situation sichtlich beruhigt.

Das Schwergewicht des Einsatzes in Salzburg befindet sich nach wie vor im Raum Oberpinzgau/Mittersill, wo bis zu 800 Mann an Hilfskräften im Einsatz sind beziehungsweise waren. Nach Evakuierung des Krankenhauses Mittersill versuchen die Einsatzkräfte, die Wassermassen durch den massiven Einsatz von leistungsstarken Pumpen in den Griff zu bekommen. Im Pinzgau gibt es insgesamt 37 Einsatzstellen. Die Evakuierung des Krankenhauses Mittersill wurde mit 12.15 Uhr abgeschlossen. Etwa eine Woche werde es vermutlich noch dauern, bis die Patienten wieder in das Spital zurückkehren können, schätzte Bezirksfeuerwehrkommandant vom Flachgau, Hermann Kobler, die Lage ein.

Die allgemeine Lage war am Nachmittag als stabil anzusehen. Ein Dammbruch bei Stuhlfelden hatte keine schwerwiegenden Folgen. Zahlreiche Unterspülungen und Aufweichungen von Dämmen waren unter Kontrolle. Die Bezirkshauptmannschaft Zell am See begann mit der Aufnahme aufgetretener Ölunfälle.

Schäden in Bad Hofgastein, Bad Gastein & Großarl
Im Tennengau ging der Wasserstand der Salzach bei Golling zurück. Die Bezirkshauptmannschaft Hallein hat die Katastrophenerklärung aufgehoben und der Einsatzstab wurde aufgelöst. Im Pongau war die Lage im Wesentlichen unverändert. Größere Schäden sind in Bad Hofgastein, Bad Gastein und Großarl aufgetreten. Unter Umständen müssen laut Landeskorrespondenz noch einige Evakuierungen durchgeführt werden. Die Schörgbrücke bei St. Johann war wieder zu befahren. Bei einer Trafostation in St. Johann kam es zu einem Ölaustritt.

Im Lungau normalisierte sich die Lage ebenfalls . Durchlässe und Sammelschächte im Zederhaustal wurden mit technischem Gerät freigemacht.

Große Mengen Öl ausgeflossen
Feuerwehrmänner versuchten auch das Öl, das auf dem Wasser großflächig treibt, unter Kontrolle zu bringen und zu binden. Es dürften viele Tanks in Kellern ausgeschwommen und Leitungen gerissen sein. Im Ortszentrum von Mittersill roch es penetrant nach Öl.

Mittersill als "kleines Venedig"
Mittersill glich einem "kleinen Venedig". Durch den Ortskern führten am Dienstag nur mehr Wasserstraßen und die Plätze haben sich zu Seen verwandelt. Das einzig funktionstüchtige Verkehrsmittel sind die Boote (Einsatzboote). Immer wieder werden Leute von der Wasserrettung evakuiert und ins Trockene gebracht, hauptsächlich zu Bekannten und Verwandten. Manche versuchen noch mit hohen Stiefeln zu den Häusern zu gelangen, einige Jugendliche üben sich mit ihren Fahrrädern als Wassersportler.

"Kleiner Marshall-Plan" gefordert
Für den Oberpinzgau sei nun so etwas wie ein "kleiner Marschall-Plan" notwendig, um die Region wieder aufzubauen und wirtschaftliche Impulse zu setzen, sagte Mittersills Bürgermeister Wolfgang Viertler am Dienstag bei einem Pressegespräch in Mittersill. Landesrat Sepp Eisl (V) versprach, er werde alles daransetzen, das von der Gemeindevertretung von Mittersill beschlossene Hochwasserschutzprojekt möglichst zügig umzusetzen.

Nur langsame Entspannung
Im Flachgau sowie in der Stadt Salzburg war die Lage am späten Nachmittag weiterhin unverändert: Im Flachgau gab es lokale Schadensstellen, im Raum Oberndorf war die Hochwasser-Warngrenze weiterhin überschritten.

Wenngleich die Pegelstände langsam sinken, wird sich die Hochwasserlage dennoch nur langsam entspannen. Durch das Ansteigen des Grundwassers ergibt sich vor allem im Stadtgebiet von Salzburg eine Erhöhung der Überflutungsgefahr für Keller.

Entwarnung in Tirol
In Tirol hat es nach dem Hochwasseralarm bereits am Dienstagmorgen wieder Entwarnung gegeben. Die Schadenssumme war vorerst noch nicht abschätzbar, hieß es bei der Landeswarnzentrale am Nachmittag.

Besonders betroffen durch die heftigen Regenfälle war das Tiroler Unterland. Dort hatten zahlreiche Muren Straßen verlegt. Teilweise mussten geologische Gutachten erstellt werden.

In den Gemeinden Kirchbichl und Bad Häring kam es zu Vermurungen von Straßen und zahlreichen Überflutungen von Kellern. So verschüttete eine Mure die B178 im Gemeindegebiet von Kirchbichl. Im Ortsgebiet von Bad Häring verlegte der "Rettenbach" die Gemeindestraße im Ortsteil Schönau auf einer Länge von rund 200 Metern und überflutete die Keller mehrerer Häuser und Tiefgaragen.

Kein weiterer Donau-Anstieg in Wien
In Wien ist das Hochwasser der Donau am Dienstag nicht mehr weiter gestiegen. Ein Ende des Hochwasser war allerdings noch nicht absehbar. "Das kann noch zwei oder drei Tage dauern", so Raimund Herndl von der städtischen Hochwasserzentrale zur APA.

An der Neuen Donau galt weiter das am Montag verhängte Badeverbot. Rund 1.060 Kubikmeter Wasser strömten am Dienstagnachmittag pro Sekunde durch das Gewässer, das zu Niedrigwasserzeiten als Freizeitparadies der Wiener dient. Unterhalb von Wehr 1 bei der Praterbrücke stand der Treppelweg unter Wasser. Die Donau selbst führte beim Kraftwerk Freudenau 6.100 Kubikmeter pro Sekunde.

Für die Stadt bestand weiterhin keine Gefahr, denn der Donau-Hochwasserschutz ist auf fluten von bis zu 14.000 Kubikmeter pro Sekunde ausgerichtet. Zum Vergleich: In Niedrigwasserzeiten fließen nur 1.500 bis 2.000 Kubikmeter durch das Donaubett.

NÖ: Donau über die Ufer getreten
Im Raum Klosterneuburg (Bezirk Wien-Umgebung) ist Donau Dienstagnachmittag über die Ufer getreten. Laut NÖ Sicherheitsdirektion wurden einige Zufahrts- und Verbindungsstraßen im Augebiet überflutet. Unter Wasser standen auch Teile von Kritzendorf und Höflein.

Drei Verletzte in Bad Hofgastein
In Bad Hofgastein wurden bereits am Montag Brücken weggerissen - dabei wurden zwei Erwachsene im Alter von 74 und 44 Jahren und ein Kleinkind von den Schlammmassen erfasst und in eine angrenzende Wiese geschleudert. Sie mussten verletzt vom Roten Kreuz Gastein in das UKH Schwarzach eingeliefert werden. Auch ein Bagger, der bei Aufräumungsarbeiten beschäftigt war, wurde mitgerissen und schwer beschädigt. Der Baggerfahrer konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen und blieb unverletzt.

Ruhigere Situation in Oberösterreich
In Oberösterreich waren insgesamt 300 Objekte vom Hochwasser betroffen, zogen Landeshauptmann Josef Pühringer und Landesrat Josef Stockinger (beide V) in einer Presseaussendung am Dienstag eine erste Bilanz. Eine Schadenshöhe lag noch nicht vor. Auch hier beruhigte sich die Lage am Nachmittag.

Pegel in der Steiermark sinken wieder
In der Steiermark war die Hochwasser-Situation "an der Grenze", wie es von Seiten der Landeswarnzentrale hieß. Der Pegelstand der Enns befand sich zwar im roten Bereich, ist wieder im Sinken. Der Fluss trat nur vereinzelt und geringfügig über die Ufer. Die die Lage dürfte sich normalisieren, da mit einem "Rückgang der Niederschläge" zu rechnen sei. Die Murpromenade in Graz blieb bis auf weiteres gesperrt.

Trotz des anhaltenden Dauerregens der letzten Tage ist die Steiermark von größeren Überschwemmungen verschont geblieben. Nur im Raum Schladming trat die Enns an einigen Stellen über die Ufer, es kam laut ÖAMTC aber zu keinen größeren Behinderungen. In Aich/Assach und Rohrmoos musste die Feuerwehr vereinzelt ausrücken, um Keller auszupumpen.

(apa/red)

10.7.2005 11:07