Freitag, 8. Juli 2005

Nach jahrelangen Demütigungen und Schlägen: Frau tötet Ehemann mit Hammer

  • Mord in Wien-Favoriten geklärt: Geständnis abgelegt
  • Kinder des Paares wurden wieder enthaftet

Eine andere Frau, jahrelange Demütigungen, Tritte und Schläge - am vergangenen Dienstagabend wurde es der 46-jährigen Aynur T. zu viel. Sie holte einen Hammer aus der Abstellkammer der Gemeindebauwohnung am Eisenstadtplatz 4 in Wien-Favoriten und schlug immer wieder auf ihren Mann, den 45-jährigen Servati T., ein, bis er tot war. Nach stundenlangen Einvernahmen legte die Frau am Freitagnachmittag ein Geständnis ab, wie Dr. Hannes Scherz, stellvertretender Leiter der Kriminaldirektion 1 (KD 1), der APA sagte.

Einer der drei Söhne des Paares, der 20-jährige Soner T., hatte Mittwoch früh die Leiche seines Vaters im Stiegenhaus des Baus entdeckt und die Polizei verständigt. Bei den ersten Befragungen durch die KD 1-Gruppe Pripfl gab sich die Familie ziemlich wortkarg. Die Ermittler nahmen alle fünf fest, neben Aynur und Soner auch seine älteren Brüder Tamer (29) und Fazli (24) sowie die Schwester Nuray (29).

Verdachtsmomente ergaben sich Scherz zufolge relativ bald gegen die Mutter. Auf ihrem BH und im Schlafzimmer hatte die Tatortgruppe 1 Blutspuren gefunden, auch entdeckten die Ermittler eine Tasche mit blutverschmierter Kleidung. Zudem hatten die Nachbarn am Dienstagabend ein Poltern aus der Wohnung gehört - zu einem ein Zeitpunkt, an dem nur Aynur zu Hause gewesen sein dürfte.

In den Einvernahmen gab sich die Frau zunächst jedoch sehr wortkarg. Zu den sie belastenden Indizien sagte sie nur, dass sie keine Ahnung habe, wie das passiert sein könne. Die Ermittler gerieten unter Zeitdruck: Am Freitagnachmittag musste die Entscheidung fallen, ob die Familie ins Landesgericht in Untersuchungshaft eingeliefert oder freigelassen wird. "Wenige Stunden vor Ablauf der Haftzeit begann Aynur T. zu reden", sagte Scherz. "Es sprudelte aus ihr richtig heraus."

Demnach hatte ihr Mann vor einigen Jahren eine andere Frau kennengelernt. Bei dieser lieferte er einen Großteil seiner Einnahmen ab, während Aynur T. nach ihren eigenen Angaben mit sehr geringen Mitteln auskommen musste. Darüber hinaus dürfte er sie wiederholt gedemütigt und geschlagen haben. Jeden zweiten Tag etwa kam es zum Streit. "Sie ist gar nicht traurig, sagte sie. Er war ein guter Mensch, bis er die andere Frau kennen lernte."

Auch am vergangenen Dienstagabend kam es zu einer Auseinandersetzung. Servati T. schlug und trat wieder einmal auf seine Frau ein. Dann legte er sich auf die Wohnzimmercouch. Aynur holte aus der Abstellkammer einen Hammer und schlug auf ihn ein, bis er sich nicht mehr rührte. Die Leiche schleifte sie zunächst vom Wohn- ins Schlafzimmer und machte sauber. Einige Spuren dürfte sie dabei vergessen haben, was sich die Tatortgruppe 1 zu Nutze machen konnte.

Die Kinder kamen erst am späten Abend nach Hause. Ihnen erzählte ihre Mutter, dass Servati T. weggegangen sei. Am nächsten Tag schleppte sie den Toten in aller Früh in das Stiegenhaus. Dort fand ihn Soner T. Scherz: "Die Kinder dürften wirklich nichts mitbekommen haben. Ins Schlafzimmer gingen sie nie, und den Rest der Wohnung hat die Frau gereinigt."

Die Söhne und die Tochter der Frau wurden noch am Freitag enthaftet, während die Beamten Aynur T. ins Landesgericht einlieferten. Laut Scherz hatte sie schon öfter daran gedacht, dass sie irgendwann einmal ihren Mann umbringen werde. "Es hat sich diesmal offenbar alles in ihr aufgestaut."(apa/red)

8.7.2005 18:08