Dienstag, 28. Juni 2005

Stau ist Nährboden für Familienkonflikte: ÖAMTC-Expertin gibt Tipps zur Prävention

  • Zuletzt wurde Ehefrau im Wohnwagen zurückgelassen
  • Größte Stressfaktoren sollte man vor der Fahrt abbauen

Mit den prognostizierten Rekordstaus auf Österreichs Transitrouten zu Ferienbeginn sind auch familiäre Konflikte im Fahrzeugraum vorprogrammiert. Damit nicht wieder eine Ehefrau nach hitzigen Debatten am Autobahnparkplatz zurückgelassen wird oder ein genervter Lenker am Pannenstreifen umdreht und zurückfährt, sollte man sich zu Hause "akklimatisieren", rät ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora Donosa.

Wer die familiären Konflikte nicht daheim ausdiskutiert hat und mit in den Urlaub nimmt, könnte nicht nur wegen der Hitze im Stau ins Schwitzen kommen, sondern wegen der heftigen Debatten, die oft unweigerlich folgen. Schwelende Ungereimtheiten, die oft schon Monate zurückliegen, brechen plötzlich auf. Prallen unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander - den einen plagt der Hunger, den anderen der Durst, der Dritte muss aufs Klo und der Vierte ärgert sich über die Musikwahl im Radio -, ist der Siedepunkt erreicht.

Beziehungsprobleme im Stau
"Im Stau gibt es Beziehungsprobleme bis zum Exzess." Chefinspektor Matthias Fuchsberger von der Autobahngendarmerie St. Michael im Lungau hat in seiner 30-jährigen Dienstzeit schon viel miterlebt und Streitereien geschlichtet. Einmal wurde eine Frau im Wohnwagen zurückgelassen. Ihr wütender Mann machte sich mit der Geldtasche und ihrem Pass im Auto aus dem Staub. Im Extremfall kommt es zu Körperverletzungen. Manchmal liegt das Nervenkostüm der Fahrzeuglenker schon im Staubereich vor der Mautstelle blank.

Stressfaktoren abbauen
Den inneren Erwartungsdruck abbauen und den Vorsatz verwerfen, mit einem Streckenrekord am Zielort anzukommen, so können Stressfaktoren schon im Vorfeld ausgeräumt werden, meint die ÖAMTC-Verkehrspsychologin. Um sich die nötige Grundrobustheit für die Reise anzueignen, schlägt sie folgende Präventionsmaßnahmen vor: Wer noch auf "Hundert" ist und mit einem Fuß im Berufsalltag steht, sollte sich zuerst ausschlafen und einige Tage entspannen. Generell ist zeitversetztes Fahren ratsam.

Infos vor der Fahrt einholen
Vor der Abfahrt sollte der Lenker das Fahrzeug checken, sich über die Route, die Baustellen sowie Ausweichmöglichkeiten informieren und genügend Reiseproviant einpacken. "Wenn wenig Flüssigkeit getrunken wird, können schon Konflikte entstehen", sagt der Salzburger Stauberater Herbert Thaler. "Wir haben immer Mineralwasser mit dabei. Das hat sich gut bewährt."

Fahrer braucht Pausen
Alle Insassen sollten ihre unterschiedlichen Bedürfnisse aufeinander abstimmen und noch vor der Reise die nötigen Vereinbarungen treffen. Rücksicht auf den Fahrer ist angesagt, "er braucht regelmäßige Pausen", betont Donosa. Kommt es trotz allem zu massiven Streitereien, sollte man "die Emotionen unbedingt runterschrauben". (apa)

28.6.2005 10:30