Mittwoch, 29. Juni 2005

Was Frauen wollen: Zwei Drittel wünschen sich Vereinbarkeit zwischen Beruf & Familie

  • Wiedereinstieg und Bezahlung sind größten Probleme
  • SPÖ-Prammer fordert von Regierung rasch Maßnahmen

Zwei Drittel der Frauen wollen die Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Sora. "Wenn so viele Frauen es als selbstverständlich sehen, dass sie ein Leben mit Beruf und Familie haben wollen, dann ist das eine große Anforderung an die Politik", betonte SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer am Mittwoch bei der Präsentation der Umfrage. Derzeit seien aber viele Probleme noch nicht gelöst, verwies Prammer etwa auf den Wiedereinstieg und fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen: "Der Hut brennt."

So gaben in der Sora-Studie 73 Prozent der Frauen zwischen 40 und 60 Jahren Probleme beim Wiedereinstieg als sehr großes Problem an, die ungleiche Bezahlung nannten 76 Prozent. Und an erster Stelle (79 Prozent) steht die Mehrfachbelastung zwischen Beruf und Familie. Es gebe einerseits den Konsens, dass die Vereinbarkeit gewünscht werde, anderseits seien aber noch große Probleme vorhanden, so Ruth Picker von Sora. Die Studie ist der zweite Teil einer Untersuchung, der erste Teil wurde bereits im Vorjahr präsentiert. Es wurden jeweils 1.000 Frauen zwischen 18 und 39 Jahren und 1.000 Frauen zwischen 40 und 60 Jahren befragt.

Hauptgrund für Nicht-Berufstätigkeit: Kinder & Familie
Als Hauptgrund für ihre Nicht-Berufstätigkeit gaben die Frauen Kinder bzw. Familie an. Bei den 40- bis 60-jährigen Frauen waren dies 71 Prozent, bei den 18- bis 39-Jährigen 47 Prozent. 21 Prozent der Frauen unter 40 nannten als Grund, dass die Berufstätigkeit nicht mit der Kinderbetreuung vereinbar ist, bei den über 40-Jährigen sind es 14 Prozent. Aber nicht jede Nicht-Berufstätigkeit ist auch freiwillig: Nur 33 Prozent der Frauen über 40 arbeitet deshalb nicht, weil sie "es sich leisten kann", bei den unter 40-Jährigen sind es gar nur 12 Prozent.

Prammer fordert Verbesserungen bei Kinderbetreuung
Notwendig sind daher für Prammer etwa Verbesserungen bei den Kinderbetreuungseinrichtungen und Unterstützung der Frauen beim Wiedereinstieg. Sie forderte erneut 100 Millionen Euro für Qualifizierungsmaßnahmen. Fünf Wochen Kurse beim AMS können nicht wirklich beim Wiedereinstieg helfen, so Prammer. Nachdem relativ klar sei, was notwendig sei, stelle sich für sie auch die Frage nach dem Sinn des heute stattfindenden Runden Tischs.

Heftige Kritik übte Prammer auch an der Veranstaltung der Regierung vergangene Woche zu 50 Jahre Familienlastenausgleichsfonds. Dabei sei absolut "bevormundend" in Richtung Familien vorgegangen worden. Es sei ein traditionelles Bild, wie Familien zu leben hätten, präsentiert worden, so SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Bettina Stadlbauer. Empört zeigte sie sich vor allem über die "unglaubliche Aussage" von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), der von "unvollkommenen Alleinerzieherinnen" gesprochen habe. Sie habe deshalb auch eine parlamentarische Anfrage an den Kanzler eingebracht.(apa/red)

29.6.2005 12:02