Freitag, 1. Juli 2005

Arbeitslosigkeit in Österreich: Anstieg der Personen ohne Job im Juni um 4,2 Prozent

  • Gegenüber Vormonat Rückgang um 5,4 Prozent
  • Besonders Frauen und Jugendliche betroffen

Die Arbeitslosigkeit ist in Österreich im Juni weiter gestiegen. Mit 211.310 Personen waren um 4,2 Prozent mehr Personen ohne Job als im Juni 2004. Die nationale Quote lag bei 6,1 Prozent, das entspricht der höchsten Juni-Arbeitslosigkeit seit 1998. Besonders betroffen waren Frauen und Jugendliche. Die SPÖ, die Arbeiterkammer (AK) und der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) forderten Maßnahmen zur Belebung des Arbeitsmarktes.

Die nationale Arbeitslosenquote lag laut AMS im Juni bei 6,1 Prozent, die EU-Quote bei 4,7 Prozent. Gegenüber dem Vormonat Mai wurde bei der Arbeitslosigkeit ein Rückgang um 5,4 Prozent verzeichnet. Inklusive der in Schulung befindlichen Arbeitslosen (47.553 Personen, plus 18,4 Prozent) stieg die Zahl im Jahresabstand um 6,5 Prozent auf 258.863 Arbeitslose.

Besonders Frauen und Jugendliche von Zuwächsen betroffen
Die Frauen-Arbeitslosigkeit stieg im Juni laut Wirtschaftsministerium um 5,9 Prozent, bei Männern um 2,8 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit nahm weiter stark um 11,6 Prozent im Jahresvergleich zu. Auch die Zahl der Lehrstellensuchenden erhöhte sich um 23,8 Prozent. Eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit gab es in allen Bundesländern mit Ausnahme von Wien (minus 2,3 Prozent). Die stärkste relative Zunahme verzeichnete Vorarlberg (plus 15,3 Prozent). Mehr als die Hälfte der österreichischen Arbeitslosigkeit entfiel auf die Region Ost (Wien, Niederösterreich, Burgenland).

Bartenstein und die Ursachen
Als Ursachen für den neuerlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit nannte Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) die verhaltene konjunkturelle Entwicklung, den Beschäftigungsrückgang in der Sachgütererzeugung, die weiterhin hohe Arbeitslosigkeit im Tourismus, den weiteren Anstieg des Arbeitskräftepotenzials und den anhaltenden Zustrom von Arbeitskräften aus Deutschland.

Rückläufig war die Arbeitslosigkeit im Bau und der Öffentlichen Verwaltung, während sie im Tourismus, bei Dienstleistungen, in der Sachgütererzeugung, im Verkehrs- und Nachrichtenwesen, im Handel und im Gesundheits- und Sozialwesen stieg. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten erhöhte sich im Juni um 1,1 Prozent auf 3.265.460, die Zahl der offenen Stellen um 8,2 Prozent auf 28.450. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeitsepisode blieb gleich. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ging um 45,2 Prozent zurück.

SPÖ, AK, ÖGB und Grüne fordern Maßnahmen von Regierung
Die Opposition forderte am Freitag von der Regierung mehr Maßnahmen zur Senkung der Arbeitslosigkeit. Die Regierung sei "zum Handeln" aufgefordert, das "Mini-Paket", das die Regierung am 1. Mai beschlossen hat und über das nächste Woche in den Nationalrat abgestimmt wird, und der ständige Hinweis auf die Steuerreform seien nicht genug, betonte SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures. Die AK forderte ein umfassendes Konjunkturpaket, die Reduktion der überhöhten Tourismus-Saisonnier-Kontingente, die Festlegung der Regierung zur Verlängerung der Übergangsfristen und umfassende arbeitsmarktpolitische Maßnahmen.

Der ÖGB forderte die Aufstockung der Mittel für die aktive Arbeitsmarktpolitik sowie eine Qualifizierungsoffensive für Wiedereinsteiger und Migranten. Erforderlich sei aber auch der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen. Die Grünen forderten eine "Aktion 10.000", mit der vor allem für Berufseinsteiger 10.000 neue Arbeitsplätze in den Bereichen Umwelt, Kultur, Wissenschaft und Soziales geschaffen werden könnten. Die Freiheitlichen bezeichneten die Zahlen als "Bild des Jammers".

Die Arbeitslosigkeit zu senken, sei "selbstverständlich ein Hauptanliegen unserer Politik", so der Kommentar von ÖVP-Finanzsprecher Günter Stummvoll. Leider hinterlasse die verhaltene konjunkturelle Entwicklung ihre Spuren in der Arbeitsmarktstatistik. Die Bundesregierung habe mit ihren Impulsen beim Reformdialog am 1. Mai erste Schritte gesetzt, um die Arbeitslosigkeit zu senken.

(apa/red)

1.7.2005 13:34