Donnerstag, 30. Juni 2005

NEWS: Verbund macht Strom billiger - erstmals werden Privatkunden beliefert

  • Stromkunden können so bis zu 39 Euro sparen
  • Ziehen jetzt die anderen Stromanbieter nach?

Österreichs größte Stromgesellschaft, der börsennotierte Verbund-Konzern, startet in eine komplett neue Ära. Der Stromerzeuger, der mit seinen Donaukraftwerken und den großen Speicheranlagen in den Alpen bislang ausschließlich Großabnehmer versorgt hat, bietet seit 1. Juli erstmals privaten Haushalten und Gewerbebetrieben bundesweit Strom an.

Der Clou: Der Energiepreis liegt um "durchschnittlich rund zehn Prozent" unter den aktuellen Tarifen der jeweiligen Landesversorger und Stadtwerke, kündigt Verbund-Boss Hans Haider im NEWS-Gespräch an.

Knapp 39 Euro Differenz
In Oberösterreich zahlen etwa Kunden der Energie AG - laut dem Tarifkalkulator der Regulierungsbehörde E-Control - bei einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden derzeit einen Energiepreis (ohne Netztarif) von 5,41 Cent je Kilowattstunde. Der österreichweit gültige Verbund-Tarif beläuft sich dagegen auf 4,3 Cent je Kilowattstunde. Die Ersparnis pro Jahr: 38,85 Euro (siehe Tabelle).

Im Burgenland liegt die jährliche Differenz zwischen dem Bewag- und dem Verbund-Tarif bei 29,40 Euro, und verglichen mit dem aktuellen Preis von Wienstrom, ist der Verbund-Strom pro Jahr um 28 Euro günstiger. Je weiter es nach Westen geht, umso geringer wird der Preisunterschied.

Freilich ist nicht damit zu rechnen, dass die Versorger die Preisoffensive des Verbunds tatenlos hinnehmen. Tarifanpassungen sind ebenso möglich wie spezielle Preisaktionen, um die Kunden zu halten. Derzeit werden konkrete Abwehrmaßnahmen allerdings noch unter Verschluss gehalten.

Auch Haider rechnet damit, dass die Konkurrenz reagiert, sieht sich als Angreifer aber in einer guten Ausgangsposition, zumal im ersten Jahr zusätzlich ein zehnprozentiger Rabatt für Neukunden gewährt wird.

Der Verbund-Markteintritt bringt jedenfalls endlich Bewegung in den Strommarkt. Denn trotz der Marktliberalisierung war es in den vergangenen Jahren ruhig geblieben, nur knapp drei Prozent der Haushaltskunden wechselten bisher den Stromlieferanten. Den nun angebotenen günstigeren Preis erklärt Haider damit, "dass wir unsere Kunden direkt beliefern und dabei die Erträge aus der Spanne lukrieren, die zwischen Großhandelspreis und Endkundenpreis liegt". Zudem werde es eine "schlanke" Vertriebsmannschaft geben, was ebenfalls Kostenvorteile bringen soll.

Der Lieferantenwechsel selbst ist relativ einfach und kann via Internet oder Telefon abgewickelt werden. Der Netzbetreiber bleibt auch bei einem Wechsel des Stromversorgers derselbe, die Netztarife verändern sich daher nicht.

Die Ziele von Verbund-Boss Haider sind ehrgeizig. Der Stromkonzern will in den nächsten Jahren zur Nummer eins auf dem Markt für Endkunden (Haushalte, Gewerbe, Industrie) aufsteigen und rasch Gewinne machen. Haider: "Wir sind davon überzeugt, dass wir im Endkundengeschäft bereits ab 2006 schwarze Zahlen schreiben werden."

Mehr über den Preiskampf am Strommarkt lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS!

30.6.2005 14:37