Totale Übernahme: OMV und IPIC kaufen dänischen Kunststoffhersteller Borealis
- 920 Millionen Euro Kaufpreis für 50 % der Anteile
- Borealis soll "mittelfristig" an Börse gebracht werden
Die österreichische OMV, Mitteleuropas führender Öl/Gaskonzern, und ihr Kernaktionär IPIC steuern den Wachstumskurs des zweitgrößten europäischen Kunststoffhersteller Borealis künftig alleine. Für 920 Mio. Euro übernehmen die bisherigen Viertel-Eigentümer den Hälfte-Anteil der norwegischen Statoil, wobei die OMV für 184 Mio. Euro von 25 auf 35 Prozent aufstockt, IPIC auf 65 Prozent.
Die auf einem jährlich 4 bis 5 Prozent expandieren Markt tätige Borealis - größter Kunde der OMV in den Raffinerien Schwechat und Burghausen - soll Ende des Jahrzehnts an die Börse gehen, das Headquarter könnte aus Dänemark nach Wien verlegt werden, sagte OMV-Vize-Generaldirektor Gerhard Roiss am Donnerstag zur APA.
Mit Borealis, die zuletzt 4,6 Mrd. Euro umsetzte (davon 1 Mrd. Euro in Österreich), sei OMV in einem besonders wachstumsträchtigen Segment tätig, betonte Roiss. Der globale Kunststoffmarkt sei 80 Mrd. Euro schwer und wachse, anders als der eher stabile Ölproduktesektor, deutlich. Dieser Bereich weise eine höhere Wertschöpfung auf, und die OMV selbst verfüge so über eine geschlossene Wertschöpfungskette. 10 Prozent des Raffinerieoutput des Konzerns gehen in die Petrochemie.
Blick richtet sich auf den Mittleren Osten
Künftig wolle man sich mit der eigenen Technologie, die Borealis zur Nummer 2 in Europa werden ließ, verstärkt auf den Mittleren Osten als Sprungbrett vor allem auch nach Asien konzentrieren. Middle East sei der billigste Rohstofflieferant und der Riesenmarkt China liege praktisch vor der Haustür: "Der Transport von Abu Dhabi nach China kostet so viel wie von Wien nach Innsbruck", so Roiss. China hat schon 18 Prozent Anteil am Kunststoff-Weltmarkt, Europa 32 Prozent.
Fix ist ein Börsegang von Borealis, noch offen sind jedoch der Börseplatz und der genaue Zeitpunkt, so Roiss: "Das IPO ist entschieden, je nach der zyklischen Situation der Branche könnte es in fünf bis sechs Jahren erfolgen", so Roiss, künftig auch AR-Chef bei Borealis. Zuvor sollen noch bei Borouge, dem Joint Venture der Borealis mit der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), die geplanten Ausbau-Investitionen im Umfang von 2,5 Mrd. Dollar (derzeit 2,07 Mrd. Euro) abgeschlossen werden, die bis 2009 in Produktion gehen könnten.
Hauptquartier bald in Wien?
Borealis könnte sein Headquarter von Lingby, einem Vorort von Kopenhagen, nach Wien verlegen und wäre dann der fünftgrößte Industriebetrieb in Österreich. Wien habe bei den Überlegungen über den künftigen Standort der Zentrale gute Chancen, die jetzige steuerliche Situation in Österreich gebe dafür einen positiven Rückenwind, sagte Roiss weiter. Neben Kopenhagen und Wien steht auch Brüssel zur Diskussion. Eine Entscheidung soll bis Mitte 2006 fallen.
OMV und Borealis stärken derzeit - wie seit längerem bekannt - in Schwechat die Wertschöpfungskette: Die OMV-Raffinerie erweitert dort ihre Ethylen- und Propylenproduktion von 650.000 auf 900.000 t pro Jahr. Borealis stockt analog ihre Kapazität auf rund 1 Mio. t pro Jahr auf. Die neuen Anlagen gehen im 3. Quartal 2005 in Betrieb. Dafür werden 400 Mio, Euro je zur Hälfte von OMV und Borealis investiert. (apa/red)

