Montag, 27. Juni 2005

Die Tour der Leiden: Österreicher-Quartett
mit großen Zielen zur Tour de France 2005

  • Totschnig will in der Gesamtwertung weit nach vorne
  • Eisel, Glomser um Etappensieg, Wrolich in Doppelrolle

Vier Österreicher nehmen die 92. Tour de France in Angriff. Das Quartett, das in drei verschiedenen Teams engagiert ist, hat große Ziele: Georg Totschnig möchte den siebenten Gesamtrang aus dem Vorjahr verbessern und in einer Bergetappe ganz vorne landen. Bernhard Eisel kämpft als Tagessieger der Tour de Suisse im großen Kreis der Topsprinter um einen Erfolg im Massenspurt, Gerrit Glomser und Peter Wrolich wollen ihre Chance in Ausreißergruppen nützen. Wrolich hat jedoch eine Doppelrolle: Er ist der wichtigste Helfer Totschnigs, bevor es ins Hochgebirge geht.

Totschnig will in seiner siebenten Tour erneut seine Endplatzierung verbessern, die bisher beste eines Österreichers durch Peter Luttenberger - Rang fünf im Jahr 1996 - wäre ein großes Ziel. Der Etappendritte in den Pyrenäen 2004 hat in der zweiten Woche seine großen Auftritte: Da warten zunächst drei Kletter-Touren in den Alpen und nach einer Überstell-Etappe drei Abschnitte mit klassischen Pyrenäen-Pässen.

Anders als im Vorjahr (Etappensieg bei der Tour de Suisse) hat der Gerolsteiner-Kapitän aus dem Zillertal seine Topform im Vorfeld der Tour noch nicht erreicht. Das sei aber kein Problem, meinte er, das Selbstvertrauen sei groß, die Form werde sich rechtzeitig einstellen. Auch Lance Armstrong geht heuer sieglos in seine letzte Tour, bei der er die Karriere mit einem Glanzlicht - dem siebenten Sieg in Folge - ausklingen lassen will.

Eisel gilt als Kandidat auf den ersten Etappensieg eines Österreichers in der wichtigsten Radrundfahrt der Welt seit dem Triple von Max Bulla vor 74 Jahren. Der Steirer hat heuer schon vier Etappensiege gefeiert und sich im Kreis der Männer mit den schnellsten Beinen einen Namen gemacht. "Ein Etappensieg ist das große Ziel, ein Platz unter den Top Drei sollte möglich sein", meinte der 24-jährige Frankreich-Legionär (Team FdJeux.com), der sich vor allem für die Etappen zwei und drei viel vorgenommen hat. Er hat in Baden Cooke (AUS) einen zweiten Topsprinter an seiner Seite, was zusätzliche Möglichkeiten für das Team eröffnet.

Glomser, im Vorjahr bei seiner zweiten Tour wegen der Folgen eines Sturzes ausgeschieden, gilt als Allrounder. Doch nach einem schweren Sturz in den USA will sich der ÖRV-Champion in den Sprints vorerst zurückhalten ("Ein weiterer Sturz wäre das Schlechteste, was passieren könnte") und in den Bergen hat er nicht die Form eines Totschnig. "Ich werde daher probieren, eine Fluchtgruppe zu erwischen", meinte der Salzburger, der bei Lampre-Caffita in Ermangelung eines Anwärters auf die Top Ten der Gesamtwertung viele Freiheiten genießt.

Wrolich hat mit Totschnig die Pyrenäen-Pässe besichtigt und in der ersten Woche vor allem die Aufgabe, seinem Kapitän Windschatten zu bieten und ihn aus kritischen Situationen herauszuhalten. Der Kärntner, ausgestattet mit perfektem Gespür in kniffligen Rennsituationen, sollte aber auch selbst die Chance erhalten, sich Ausreißergruppen anzuschließen. So wie bei seiner Premiere 2004, als er in der letzten Woche einmal Rang fünf belegte.

(apa)

27.6.2005 15:06