Bush weiterhin vehement gegen Kyoto- Protokoll: "Hat die US-Wirtschaft ruiniert"
- US-Präsident für Investitionen in neue Technologien
- WWF-Studie: USA sind Schlusslicht bei Klimaschutz
Vor dem G-8-Gipfel in Schottland hat US-Präsident Bush seine Ablehnung des Kyoto-Protokolls bekräftigt. Das Abkommen zur Reduzierung klimaschädlicher Emissionen hätte die US-Wirtschaft ruiniert, sagte Bush gegenüber britischen Medien. Für den Klimaschutz müssten vielmehr neue Technologien genutzt werden.
Der US-Präsident verwies darauf, dass die US-Regierung 20 Milliarden Dollar in Technologien wie Wasserstoff betriebene Autos oder emissionsfreie Kraftwerke investiere. Auf diesem Wege könne es möglich werden, von fossilen Energien wegzukommen, die Luftqualität zu verbessern und weniger abhängig von ausländischen Öllieferungen zu sein. Das Bush-Interview sollte am Montag ausgestrahlt werden.
Zuvor hatte Frankreichs Staatspräsident Chirac erklärt, beim G-8- Gipfel sei ein Abkommen über den Klimaschutz in Reichweite. Nach schwierigen Auseinandersetzungen "bewegen wir uns in Richtung Abkommen", sagte Chirac nach einem informellen Dreiergipfel mit Russlands Präsident Putin und Bundeskanzler Schröder am Sonntag in der Nähe von Kaliningrad. Der französische Staatschef fügte hinzu: "Wir warten auf die US-Position."
Der Gipfel der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G- 8) findet von Mittwoch bis Freitag etwa 70 Kilometer nördlich von Edinburgh statt. Zu den Hauptthemen, die Blair als Gastgeber auf die Agenda gesetzt hat, gehören die Entwicklungshilfe für Afrika und der globale Klimawandel.
WWF stellt der USA schlechtes Zeugnis aus
Vor dem G8-Gipfel hat die Umweltschutzorganisation WWF den Vereinigten Staaten ein schlechtes Zeugnis im Klimaschutz ausgestellt. Innerhalb der G8-Gruppe belegen die USA im Klimaschutz den letzten Platz, hieß es in einer am Montag in Genf veröffentlichten Untersuchung des WWF.
Für die Studie haben Experten die Klimapolitik der acht Länder anhand von zehn Kriterien untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass die US-Regierung "es nicht nur versäumt, sich den Gefahren des Klimawandels zu stellen, sondern aktiv darauf hinarbeitet, die bisherigen Bemühungen der G8 in dieser Frage aufzuweichen."
Forderung nach Isolation der USA
Wegen ihrer Uneinsichtigkeit müssten die USA in der Klimafrage isoliert werden, forderte der WWF. "Wenn die Vereinigten Staaten hier hinterherhinken, dann ist es an der Zeit, sie hinter sich zu lassen". Die sieben anderen Länder der Gruppe sollten auf dem bevorstehenden G8-Gipfel notfalls gegen den Willen Washingtons auf "klaren und konkreten Ergebnissen" für den Klimaschutz bestehen.
Den größten Fortschritt beim Klimaschutz haben der Studie zufolge Deutschland, Großbritannien und Frankreich gemacht. Allerdings seien auch deren Anstrengungen unzureichend. Auch wenn die USA "die Niete im Klassenzimmer bleiben, stehen die Spitzenschüler nicht gerade besonders gut dar", heißt es in der Erklärung. Sollten die drei bestplatzierten Länder nicht weitere Bemühungen zur Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen unternehmen, dann würden diese in den kommenden Jahren wieder steigen.
Dem WWF zufolge sind die G8-Länder für 45 Prozent des weltweiten Ausstoßes an Treibhausgasen verantwortlich. Die Gruppe kritisiert, dass in den USA immer noch zwei Drittel des Energiebedarfs aus fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas gewonnen werde; dabei fallen die Treibhausgase an, die für die Erwärmung des Erdklimas verantwortlich gemacht werden. Für seine Studie untersuchte der WWF unter anderem die Kriterien Stromerzeugung, Einsatz erneuerbarer Energien sowie Ausstoß von Industrie, Verkehr und Privathaushalten.
(apa)
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