Dienstag, 28. Juni 2005

Anschläge im Irak: Wichtiger schiitischer Parlamentarier durch Bombe getötet

  • PLUS: Selbstmordattentat vor einem Krankenhaus!
  • Wieder hatte sich der Attentäter als Polizist verkleidet

Das US-Militär hat am ersten Jahrestag der formalen Wiederherstellung der irakischen Souveränität eine neue Großoffensive im Westen des Landes gestartet. Ziel der "Operation Schwert" ist das Gebiet zwischen den Städten Haditha und Hit im Euphrattal nordwestlich der Hauptstadt Bagdad. Es handelt sich um die vierte derartige Operation in der Wüstenregion innerhalb von zwei Monaten. Bei einer anderen Offensive gegen Rebellen in diesem Monat hatte die US-Armee mit Lufteinsätzen die 60.000-Einwohner-Stadt Karabila weitgehend zerstört.

Aufständische haben den schiitischen Abgeordneten und Alterspräsidenten des Parlaments sowie drei seiner Leibwächter ermordet. Wie das staatliche Fernsehen berichtete, explodierte etwa dreißig Kilometer nördlich von Bagdad ein Sprengsatz neben dem Konvoi von Scheich Dhari Ali al-Fayad (87). Es ist seit den allgemeinen Wahlen Ende Jänner bereits der zweite tödliche Anschlag auf einen Abgeordneten. Fayad hatte die ersten Sitzungen der konstituierenden Nationalversammlung bis zur Wahl des Vorsitzenden geleitet.

Ein als Polizist verkleideter Selbstmordattentäter hat vor einem Krankenhaus mindestens drei Menschen mit in den Tod gerissen. Wie die Polizei berichtete, wurden mindestens 13 weitere Iraker verletzt, darunter auch mehrere Polizisten, die den Eingang der Klinik von Musayib, südlich von Bagdad, bewacht hatten. Laut Polizeiangaben zündete der Attentäter einen Sprengstoffgürtel.

In der südirakischen Stadt Samawa schoss die Polizei auf demonstrierende Arbeitslose. Sieben Demonstranten seien verletzt worden. Rund 2000 Iraker waren auf die Straße gegangen, um gegen ihre Nichteinstellung bei der Polizei zu demonstrieren. Die Polizei eröffnete das Feuer, nachdem die Demonstranten mit Steinen geworfen hatten.

Ungeachtet der anhaltenden Gewalt hält es Ministerpräsident Ibrahim al-Jaafari für möglich, die Sicherheitslage innerhalb von zwei Jahren unter Kontrolle zu bringen. Wie schnell die Aufständischen tatsächlich niedergerungen werden könnten, hänge allerdings von verschiedenen Faktoren ab, sagte Jaafari am Montag in London, wo er mit dem britischen Premier Tony Blair zusammengekommen war. Blair bestätigte Kontakte mit Sympathisanten der überwiegend sunnitischen Rebellen. Diese sollten überzeugt werden, sich am politischen Prozess zu beteiligen. Von seiner Haltung zum Terrorismus rücke Großbritannien aber nicht ab, unterstrich Blair.

Eine Mehrheit der US-Amerikaner ist nach jüngsten Umfrageergebnissen mit der Irak-Politik von Präsident George W. Bush unzufrieden, fordert aber keinen sofortigen Rückzug der Soldaten aus dem Land. 56 Prozent der Befragten sagten, sie missbilligten die Arbeit von Bush im Zusammenhang mit dem Irak, wie eine am Montag (Ortszeit) veröffentlichte Umfrage von ABC News/"Washington Post" ergab. 62 Prozent der Befragten sind demnach der Ansicht, dass die USA im Irak in einer festgefahrenen Lage steckten. Erstmals ist nun auch eine Mehrheit der Bevölkerung der Überzeugung, die Regierung habe die Öffentlichkeit beim Irak-Krieg bewusst in die Irre geführt. Rund drei Viertel kommen zu dem Schluss, dass die Regierung die Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Krieg unterschätzt habe. Bush wollte am Dienstag (Mittwoch, 02.00 Uhr MESZ) eine Rede zur Lage im Irak halten.

Der US-Konzern Halliburton hat für Irak-Aufträge nach Angaben der Opposition in den USA rund eine Milliarde Dollar zu viel berechnet. Mit dieser Summe schlügen "inakzeptable" oder "unverständliche" Kosten zu Buche, hieß es in einem am Montag (Ortszeit) von den Demokraten vorgelegten Bericht. Bei weiteren 422 Millionen Dollar (rund 350 Millionen Euro) sei zweifelhaft, ob die Kosten gerechtfertigt seien. Halliburton, das von der US-Regierung mehrere lukrative Aufträge im Irak erhalten hatte, ist in den vergangenen Jahren immer wieder wegen angeblich zu hoher Rechnungen in die Schlagzeilen geraten. Auch wurde immer wieder der Verdacht laut, der texanische Konzern profitiere von seiner alten Verbindung zu Vizepräsident Dick Cheney, der früher Halliburton-Chef war.

(apa/red)

28.6.2005 08:33