Dienstag, 28. Juni 2005

Drei Monate nach Tod: Prozess zur Selig- sprechung von Johannes Paul II. gestartet

  • Minutenlanger Applaus bei Einleitung des Verfahrens
  • MITSTIMMEN: Karol Wojtyla sofort heilig sprechen?

Mit minutenlangem Applaus haben die Gläubigen in der voll besetzten Lateranbasilika in Rom die Einleitung des Seligsprechungsverfahrens für Papst Johannes Paul II. gefeiert. "Euer Beifall ist ziemlich ungewöhnlich für eine Kirche und deshalb um so viel sagender", sagte Kardinalvikar Camillo Ruini, der die feierliche Zeremonie leitete.

Papst Benedikt XVI. hatte vor wenigen Wochen eigens das Kirchenrecht außer Kraft gesetzt, das eine fünfjährige Wartezeit nach dem Tod eines "Kandidaten" vorsieht: Dadurch wollte er eine schnellstmögliche Seligsprechung des im April gestorbenen Kirchenführers erreichen.

"Die Diözesen Rom und Krakau möchten Benedikt ihre große Dankbarkeit für diese Entscheidung aussprechen", betonte Ruini. Im Laufe der Zeremonie wurde das kirchliche Diözesangericht, das für die Durchführung des Verfahrens verantwortlich ist, in sein Amt eingeführt. Neben dem Postulator des Seligsprechungsverfahrens, dem Polen Slawomir Oder, leistete auch Ruini als ordentlicher Richter des Diözesangerichts seinen Schwur. Der Eid sieht unter anderem strengste Geheimhaltung über Zeugenaussagen sowie die rechtmäßige Ausführung der auferlegten Aufgabe vor.

Schaffen von Johannes Paul II. wird untersucht
Jetzt gilt es, die zahlreichen Dokumente und Schriften des Pontifex zu studieren sowie vermeintliche Wunder, die nach seinem Tod geschehen sind, zu prüfen. Täglich gingen derzeit über 100 E-Mails und Briefe beim Vatikan ein, in denen Menschen aus aller Welt nützliche Hinweise für die Seligsprechung geben, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Insgesamt muss die Kommission über 100.000 von Karol Wojtyla verfasste Seiten studieren.

Im Laufe der Feier blickte Ruini noch einmal auf die wichtigsten Stationen im Leben des Pontifex zurück, der über ein Viertel Jahrhundert lang die Geschicke der Kirche geleitet hatte und von Millionen Gläubigen in aller Welt verehrt wird. Wie lange das Verfahren dauern wird, ist derzeit unklar. Jedoch kündigt sich für Johannes Paul II. eine der schnellsten Seligsprechungen der Kirchengeschichte an - die allgemein als Vorstufe zu einer baldigen Heiligsprechung gewertet wird. (apa/red)

28.6.2005 22:54