Ranking der Bier-Nationen: Österreich auf Platz Drei hinter Deutschland & Tschechien
- Vor allem bei Jungen ist das Getränk immer beliebter
- West-Ost-Gefälle: Tiroler sind die eifrigsten Biertrinker
In Österreich ist der Bierverbrauch im Vorjahr zwar leicht zurückgegangen. Im Mehrjahreszeitraum blieb der Bierdurst der Österreicher aber seit 1998 konstant. Anders in anderen Ländern Europas, wo der Verbrauch zuletzt stetig sank. Dieser Trend brachte die österreichischen Bierhersteller beim weltweiten Pro-Kopf-Konsum im Jahr 2004 auf Platz drei: Vor Österreich (108,2 Liter) liegen nur noch Deutschland (115 Liter) und die unangefochtenen Spitzenreiter in Tschechien (158 Liter). Die lange Zeit drittplatzierten Iren wurden von den Österreichern voriges Jahr auf Platz vier verwiesen.
Der Brauereiverband, an dessen Spitze jetzt im Juni Markus Liebl von Johannes Sulzberger (beide Brau Union Österreich) den Vorsitz übernommen hat, will den Bierkonsum in Österreich weiter ankurbeln. Liebl hat den weltweit zweiten Platz als "Vision", wie er am Donnerstag vor Journalisten in Wien sagte. Zugleich will man auch vom Bier-Image als "Männergetränk" ein wenig weiter weg kommen.
Weil Frauen derzeit noch nicht einmal auf die Hälfte des Bierkonsums der Männer kommen, sieht Liebl gerade beim weiblichen Geschlecht das größte Potenzial, das er mit gut drei bis fünf zusätzlichen Litern im gesamten Jahreskonsum der Österreicher beziffert.
Starkes West-Ost-Gefälle
Auch beim Bierdurst gibt es in Österreich ein starkes West-Ost-Gefälle: "Am liebsten sind uns die Tiroler", sagt der Verbandsobmann aus Brauersicht: Sie kommen auf 140 bis 150 Liter pro Jahr. Am wenigsten zum Bier greifen die Burgenländer, die es auf keine 100 Liter im Jahr bringen. Liebl: "Das hängt mit dem Weinbau zusammen."
Bier ist "eher männlich
Bier gilt laut einer neuesten Market-Umfrage freilich bei 75 Prozent von 1.023 Befragten immer noch als "eher männlich", als Dickmacher (61 Prozent) ist Bier aber nicht mehr so gefürchtet wie noch 1997 (74 Prozent). Die Sympathiewerte seien gestiegen. Der weiblichen Zielgruppe entsprechend will die Brauwirtschaft mit Verpackung, Gebinde und Sorten locken: Frauen bevorzugten andere Flaschengrößen und Glasformen ("Es passt nicht zu einer zarten Frauenhand, wenn sie Krügel oder gar eine Maß stemmt") so wie andere Sorten und Geschmacksrichtungen (weniger Bitterstoffe).
Mit der neuen Image-Umfrage hat sich der Brauereiverband auch die positiven, gesundheitsfördernden Eigenschaften des Biers erheben lassen. Demnach ist jeder zweite überzeugt, dass Bier Verdauung und Stoffwechsel anregt. In Lokalen und in Gesellschaft ist Bier überhaupt das Getränk Nummer eins, im übrigen auch daheim. Noch vor Kaffee und Tee.
Beliebtheit bei den Jungen steigt
Knapp die Hälfte der Österreicher trinkt zumindest einmal pro Woche Bier. Das haben langjährige Studien der Brauwirtschaft ergeben. Auffallend, für den Brauereiverband aber nicht bedenklich, ist der in der jüngsten Umfrage fest gestellte vermehrte Bierkonsum bei jungen Menschen. Gaben in der vorangegangenen market-Umfrage 1997 noch 12 Prozent der 16- bis 19-jährigen an, mehrmals pro Woche Bier zu trinken, sind es heuer (2005) bereits 19 Prozent. Einmal pro Woche greifen heute 18 Prozent (1997: 15 Prozent) der "jungen Erwachsenen", wie die Brauer sie nennen, zum Bier. Bei der Umfrage ging es nur um Frequenz, nicht um Mengen, wie betont wurde.
Liebl hob die Bedeutung des "maßvollen" und vor allem "verantwortungsbewussten" Umgangs mit diesem Getränk hervor, das den niedrigsten Alkoholgehalt aller alkoholischen Getränke aufweise. Er sieht Bier nicht als Einstiegsdroge. Wer mit Verkaufserschwernisse oder hohen Steuern den Konsum bremsen wolle, ernte oft das Gegenteil, merkte er mit Blick auf skandinavische Länder an. Den Ruf nach Biersteuersenkung in Österreich erneuerte er mit Nachdruck. Die Steuer sollte zumindest auf deutsches oder tschechisches Niveau gesenkt werden.
Über den bisherigen Geschäftsverlauf im Bierjahr 2005 berichtet Liebl von einem leichten Absatzrückgang im ersten Quartal, der aber im zweiten Quartal etwas aufgeholt werden konnte.
(apa/red)
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