Donnerstag, 30. Juni 2005

Zu lebenslanger Haf verurteilt: Grazer erschoss seine Freundin auf offener Straße

  • Ausgerastet weil Frau mit ihm Schluss machen wollte
  • 60-Jähriger schon 1988 für neun Jahre im Gefängnis

Lebenslange Haft - so lautete am Donnerstag das Urteil in einem sehr kurzen Geschworenenprozess am Grazer Straflandesgericht gegen einen 60 Jahre alten Steirer. Der Angeklagte wurde beschuldigt, seine Freundin im August des Vorjahres auf offener Straße durch vier Schüsse getötet zu haben. Der Malermeister zeigte sich voll geständig und nahm das Urteil an. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist zunächst nicht rechtskräftig.

Der 60 Jahre alte Angeklagte, der 18 einschlägige Vorstrafen aufweist, wollte zum genauen Tathergang am Donnerstag vor dem Schwurgericht (Vorsitz: Angelika Kohlroser) nichts mehr sagen. Er gab an, dass "alles richtig ist, was in den Akten steht". Seinen Verteidiger hatte er gebeten, ein "ruhiger Anwalt" zu sein. Auf die Frage der Richterin, wie der Tag, an dem der Mord geschah, denn gewesen sei, antwortete der Grazer: "Es war ein ganz dummer Tag."

Am Sonntag, dem 22. August 2004, hatten der 60-Jährige und seine sieben Jahre jüngere Freundin Adelheid H. ausgemacht, dass sie ihn gemeinsam verbringen wollten. Die 53-Jährige überlegte es sich aber anders und informierte ihren Lebensgefährten, dass sie lieber auf ein Fest auf der Hebalm fahren würde. Sie wollte aber, dass er mitkomme. Es wurde vereinbart, dass der Beschuldigte nachkommen sollte. Als sich der 60-Jährige auf den Weg machte und seine Freundin trotz mehrmaliger Versuche nicht am Handy erreichte, fuhr er zornig wieder nach Hause.

"Waren sie verärgert?", wollte Kohlroser wissen. "Ja, natürlich, weil ich die Heidi nicht getroffen hab'", so der Beschuldigte. Später rief ihn seine Freundin an und sie vereinbarten, dass die 53-Jährige später zu ihm in die Wohnung kommen sollte. Als der Grazer gegen 20.00 Uhr vom Besuch bei Freunden leicht alkoholisiert nach Hause kam, war die 53-Jährige schon da.

Als sie ihm erzählte, wie "lustig" ihr Tag gewesen sei, reagierte der Angeklagte laut Staatsanwältin "sehr eifersüchtig". "Ich hab' ihr auch nicht geglaubt, dass sie nicht erreichbar war", so der 60-Jährige. Im Zuge der Auseinandersetzung packte die Steirerin ihre Sachen. "Das kam mir wie ein kleiner Abschied vor und ich wurde wirklich sauer", erzählte der Malermeister weiter.

Tatsächlich gesagt hätte H. aber nicht, dass sie ihn verlassen wolle, er hätte das nur subjektiv so empfunden. Um sie aufzuhalten, nahm der Mann - ein Waffensammler - ein abgesägtes Revolvergewehr mit fünf Patronen und folgte ihr auf die Straße. "Ich hab' sie angefleht, wieder mitzugehen", erklärte der Beschuldigte vor Gericht. Was danach geschah, wollte der 60-Jährige nicht mehr sagen. Seine Angaben im Akt seien richtig, war der einzige Kommentar. "Fühlen sie sich des Mordes schuldig", fragte Kohlroser. "Ja", antwortete der Grazer. "Die ersten drei Schüsse (Anm.: in den Hals- und Brustbereich) waren Reaktionen, aber mit dem vierten wollte ich töten". Er habe genau gewusst, was er tat, gab der Mann an.

Das einstimmige Urteil der Geschworenen: lebenslange Haft. Der Angeklagte, der wegen versuchten Totschlags an seiner Ex-Frau 1988 in Hamburg bereits zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden war, bedankte sich für den fairen Prozess und nahm das Urteil an. Es ist offiziell noch nicht rechtskräftig.

(apa/red)

30.6.2005 12:41