Plakataktion gegen den Rassismus: Wiener
Straßenbahnlinie "D" fungiert als Leitfaden
- Litfassäulen und Vitrinen dienen als Austellungsort
- "Kunst im öffentlichen Raum Wien" läuft bis 31. Juli
Zur Leitlinie gegen Rassismus wird die Wiener Straßenbahnlinie D im Juli. Künstler und Aktivisten haben gemeinsam eine Plakatserie von "Arbeiten gegen Rassismen" entwickelt, die im Rahmen von "Kunst im öffentlichen Raum Wien" von 1. bis 31. Juli entlang der Tramlinie auf Litfassäulen, in City-Light-Vitrinen und großformatigen Plakatwänden im Haltestellenbereich zu sehen ist.
Ein zentraler Bestandteil der Serie unterschiedlicher Bild- und Textmotive sind Forderungen des nach dem Tod von Seibane Wague gegründeten Vereins "Schwarze Frauen Community für Selbsthilfe und Frieden" (SFC), die unter anderem ein Antidiskriminierungsgesetz und die Abschaffung des Ausländerbeschäftigungsgesetzes verlangen.
Ursprünglich war geplant gewesen, die Plakate auch auf und in den Straßenbahnzügen selbst zu affichieren. Doch dazu erteilten die Wiener Linien, trotz anfänglicher Zustimmung, bis auf zwei Motive letztlich doch keine Erlaubnis, berichtete Martin Krenn, der das Projekt gemeinsam mit der kulturpolitischen Sprecherin der IG Bildende Kunst, Daniela Koweindl, initiiert hat.
Für SFC-Obfrau Beatrice Achaleke zeigt diese Ablehnung, "dass die Wiener Linien nicht bereit sind, sich mit rassistischen Phänomenen auseinander zu setzen. Wir sichtbaren Minderheiten brauchen mehr öffentlichen Raum. Solche Plakate auf der Straßenbahn zu sehen wäre revolutionär gewesen." Der Zug ist laut Daniela Koweindl allerdings noch nicht abgefahren, sollten die Wien Linien sich die Sache doch noch anders überlegen. "Die Druckaufträge liegen bereit." Achaleke bietet den Verkehrsbetrieben dafür ein "kostenloses Sensibilisierungs-Seminar" an.
Plakatserie der österreichischen Geschichtskonstruktion
Neben Arbeiten zur migrantischen Selbstorganisation (von Anna Kowalska, Petja Dimitrova und Klub Zwei alias Simone Bader und Jo Schmeiser) gilt ein weiterer Schwerpunkte der Plakatserie der österreichischen Geschichtskonstruktion. So setzt sich etwa Martin Krenn am Beispiel des Riesenrads mit der Arisierung auseinander, Klub Zwei gehen der Frage nach, wie der historische Antisemitismus in die Gegenwart reicht, Ljubomir Bratic und Richard Ferkl thematisieren die Rolle Partisanen als "blinden Fleck" (Bratic) der österreichischen Geschichte.
Die Aktion "Arbeiten gegen Rassismen" ist in gewissem Sinn eine Fortführung der Ausstellung "Interventionen gegen Rassismen", die Krenn und Koweindl im Vorjahr in der Galerie der IG Bildende Kunst organisierten. Im Rahmen von "Kunst im öffentlichen Raum Wien" wurde das eingereichte Projekt sogar noch ausgeweitet, berichtete Beiratsmitglied Roland Schöny. Im Herbst ist laut Koweindl außerdem eine Publikation dazu geplant. (apa/red)
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