Mittwoch, 29. Juni 2005

Nach dem Kirchensexskandal in St. Pölten:
Ex-Regens Küchl von Küng suspendiert

  • "Sich zum Wohl der Kirche aus Tätigkeit zurückziehen"
  • Wollte wieder als Seelsorger in Gemeinden tätig sein

Ulrich Küchl, Ex-Regens des derzeit geschlossenen Priesterseminars St. Pölten, wird nicht mehr als Seelsorger in den Pfarren Eisgarn und Eggern im Waldviertel tätig sein. Bischof Klaus Küng hat den Geistlichen aufgefordert, "sich zum Wohl der Kirche und der Gläubigen aus seiner bisherigen Tätigkeit zurückzuziehen", hieß es am Dienstag in einer Aussendung der Diözese St. Pölten.

In der Mitteilung lautet es weiter: "Küchl hat die Sabbatzeit leider nicht genützt, um zur Klärung der im Raum stehenden Vorwürfe gegen seine Person, über die wirtschaftlichen Probleme der Kollegiatsstiftung und betreffend die Amtsführung als Regens des diözesanen Priesterseminars St. Pölten von 2001 bis 2004 beizutragen. Er hat auch die mit der Sabbatzeit verbundenen Auflagen nicht oder nur teilweise erfüllt."

Küchl war im Vorjahr als Leiter des Priesterseminars im Mittelpunkt medialen Interesses gestanden. In seiner Amtszeit haben Alumnen kinderpornografisches Material aus dem Internet heruntergeladen und abgespeichert. Zudem waren Fotos aufgetaucht, auf denen Seminaristen und leitendes Personal küssend abgebildet waren. Küchl trat daraufhin als Regens zurück.

Seitens der Diözese und des Bischofs von St. Pölten habe es "ein ehrliches Bemühen" gegeben, um Küchl "eine Rückkehr als Seelsorger in die Pfarren Eisgarn und Eggern zu ermöglichen. Mit bischöflicher Verfügung wurde von Anfang an festgelegt, dass die Kollegiatsstiftung Eisgarn - auf jeden Fall - zumindest bis 31. Dezember 2005 ruhig gestellt und die finanzielle Verwaltung direkt der Diözese unterstellt ist."

Über künftige seelsorgliche Einsatzmöglichkeiten werde Bischof Küng das Gespräch mit Ulrich Küchl suchen, hieß es in der Aussendung.

Küchl siegt Willkürakt
Ulrich Küchl betrachtet die "Strafmaßnahmen" als "unbegründeten und illegitimen Willkürakt". In einer Stellungnahme verwies er am Mittwoch darauf, er beabsichtige seinen "Dienst als Pfarrer von Eisgarn und Eggern wieder aufzunehmen".

Küchl betonte in dem der APA übermittelten Schreiben, dass ihm weder vom Bischof noch von "sonst einer kompetenten Stelle" ein "strafrechtlich relevantes Vergehen gegen eine kirchliche oder staatliche Norm nachgewiesen" worden sei. Daher sehe er in der Aufforderung Küngs, "sich zum Wohl der Kirche und der Gläubigen aus seiner bisherigen Tätigkeit zurückzuziehen", einen "Willkürakt".
(apa)

29.6.2005 12:27