FORMAT: Steigende Mieten oder fallende Preise? Wieviel das Wohnen wirklich kostet
- Studie belegt: Wohnkosten entwickeln sich moderat
- Mietpreis-Erhöhungen meistens vertraglich geregelt
Die Mietpreise in Österreich, so behaupten Arbeiterkammer und SPÖ, hätten in letzter Zeit eine "dramatische Entwicklung genommen" und seien "enorm gestiegen". Laut Statistik Austria hätten die Mietkosten um über zehn Prozent zugelegt, die Preise für Eigentumswohnungen um knapp 7,4 Prozent. Durchschnittsverdiener und junge Familien, so das Fazit, könnten sich Wohnen auf Dauer nicht mehr leisten...
Ist Wohnen unverschämt teuer geworden? Sind die Preise tatsächlich nach oben geschnellt? Können wir uns Wohnen womöglich bald nicht mehr leisten?
Preise im Bereich der Teuerungsrate
Eine FORMAT vorliegende Studie der Wiener Forschungsgesellschaft für Wohnen, Bauen und Planen (FGW) im Auftrag des Wirtschaftsministeriums kommt zu einem anderen Schluss: Die Preissprünge hängen nicht mit der Entwicklung des Wohnungsmarktes, sondern mit einer neuen Berechnungsmethode der Statistik Austria zusammen. Der derzeitige Teuerungsschub, so der Studienautor Wolfgang Amann, sei "ein einmaliger Effekt aufgrund einer von der EU geforderten statistischen Umstellung bei der Erhebung der Daten". In Wahrheit bewegen sich laut Amann die Preise im Bereich der Teuerungsrate, im internationalen Vergleich sei die Wohnungsmarktentwicklung sogar "ausgesprochen ruhig".
Die Ergebnisse der Studie im Detail
Beim Großteil der rund 1,5 Millionen Mietwohnungen in Österreich sind die Steigerungen der Mietpreise vertraglich geregelt, dramatische Preissprünge seien nicht möglich. Die Preise bewegen sich deshalb sogar unter der Inflationsrate von 2 Prozent für 2004.
Gesamtpreise für Wohnen um 1,5% gestiegen
Die Gesamtpreise für Wohnen, also für Miete und Eigentum zusammengerechnet, sind im vergangenen Jahr um rund 1,5 Prozent gestiegen. Dabei schwankt der Mietzins zwischen 4,03 Euro pro Quadratmeter in der Steiermark und 6,20 Euro in Vorarlberg.
Stärkere Preisanstiege in Städten
In den Städten hingegen ist es durchaus zu stärkeren Preisanstiegen gekommen. So haben die Mieten in Innsbruck etwa im vergangenen Jahr um 7 Prozent zugelegt, in Linz um 4,6 Prozent, in Graz um 3,4 Prozent, in Salzburg um 3 Prozent und in Wien um 2,5 Prozent. Die Preise schwanken zwischen 6,07 Euro pro Quadratmeter in Wien und 7,58 Euro in Innsbruck. Während die Preise für Eigentumswohnungen in Wien, Graz und Linz zwischen 2.000 und 2.100 Euro pro Quadratmeter stagnieren, stiegen sie in Salzburg stark an - und zwar um 6,4 Prozent auf 2.800 Euro pro Quadratmeter.
Moderate Preisentwicklung
Die Preise, so Amanns Resümee, entwickeln sich moderat: "Weder die bestehenden Mietverträge noch die frei am Markt verhandelbaren Neuverträge sind auffällig teurer geworden, die Preisentwicklung entspricht in etwa der Teuerungsrate des Verbraucherpreisindex."
Keine Mietwohnungen um 100 Euro
In Wien zeige sich allerdings auch eine negative Entwicklung bei den Billigmieten: Die Substandardwohnungen der so genannten Kategorie D seien renoviert worden und so gut wie vom Markt verschwunden. Amann: "Mietwohnungen um rund 100 Euro, die vor allem für Einkommensschwache interessant sind, wird es in Zukunft nicht mehr spielen."
(Aus FORMAT 25/2005)
