"Mit Geld kann man viel Gutes tun": US- Börsenguru Soros im FORMAT-Interview!
- Spendierfreudiger Sozialmäzen über Macht des Kapitals
- PLUS: 7,2 Milliarden Dollar schwerer Investor im Porträt
·Soros: Sozialmäzen und Superkapitalist!
75-jähriger 7,2-Milliarden-Dollar Investor im Porträt
Er hat einst mit einer spektakulären Attacke am Finanzmarkt das britische Pfund in die Knie gezwungen und dabei eine Milliarde Dollar gecasht. Sein Wort ist so gewichtig, dass er mit einem harmlos gemeinten Anlegertipp ganze Märkte beeinflussen kann: George Soros, 7,2 Milliarden Dollar schwerer US-Börsenguru, im FORMAT-Interview über die Macht des Kapitals, seinen Krieg gegen George Bush und sein soziales Gewissen.
George Soros, 75-jähriger amerikanischer Investor, Platz 55 auf der Liste der Reichsten dieser Welt, selbst ernannter "verhinderter Philosoph" und spendierfreudiger Sozialmäzen, weilte diese Woche in Wien. Denn Soros unterstützt gemeinsam mit der österreichischen Bundesregierung das Open Medical Institute zur Ausbildung osteuropäischer Mediziner.
Format: Mister Soros, Sie haben an den Börsen und mit Devisenspekulationen Milliarden verdient. Warum geben Sie so ungern Anlegertipps?
Soros: Ich bin damit vorsichtig. Meine Aussagen könnten überbewertet werden, zu viele Anleger könnten davon Gebrauch machen und damit den Markt verzerren.
Format: Sie sind in Österreich, weil Sie das Salzburger Open Medical Institute kofinanzieren.
Soros: Das Institut unterstützt junge Ärzte aus Zentral- und Osteuropa, Zentralasien und Russland. Es geht um Wissenstransfer.
Format: Es handelt sich um ein Gesundheitsprojekt, während Sie gewöhnlich Demokratisierungsprojekte sponsern. Wie hat es das Institut geschafft, trotzdem Geld von Ihnen zu bekommen?
Soros: Die Initiative passt wirklich nicht besonders gut zu meinen Foundations. Doch vor allem das Engagement von Institutsleiter Professor Wolfgang Aulitzky und der Enthusiasmus der dort aktiven Ärzte hat mich zur Unterstützung bewogen. Inzwischen entspricht es meinen Zielen auch schon etwas mehr als am Anfang.
Format: Haben Sie Österreich bisher nur als Sponsor oder auch schon als Investor ins Visier genommen?
Soros: Ich beobachte den österreichischen Markt nicht.
Format: In den vergangenen Jahren haben Sie mit Ihren Foundations, vor allem mit dem Institut für eine offene Gesellschaft, fünf Milliarden Dollar ausgegeben. Haben Sie ein schlechtes Gewissen, weil Sie als Börsenspekulant so reich geworden sind?
Soros (lacht): Gar nicht. Ich bin glücklich, so viel verdient zu haben. Jetzt kann ich damit all diese Projekte finanzieren. Mit Geld kann man viel Gutes tun.
Format: Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung Osteuropas, für dessen Demokratisierung Sie sich seit 25 Jahren einsetzen?
Soros: Mit einzelnen Ländern wie Georgien und der Ukraine, wo ich mich stark engagiert habe, bin ich sehr zufrieden. Derzeit konzentriere ich mich auf den Balkan. Die Länder dort sind den Weg zu einer gesunden Demokratie noch nicht gegangen. Ich befürchte zusätzliche negative Auswirkungen für diese Region durch die derzeitige Krise der Europäischen Union, mit den auf Eis liegenden Beitrittsverhandlungen. Auch Moldawien und Kirgistan machen mir Sorgen.
Format: Und Russland? Die Verurteilung des Oligarchen Michail Chodorkowski war kein Zeichen einer funktionierenden Demokratie.
Soros: Ich bin sehr besorgt um Russland. Ich habe dort erst vor kurzem meine Foundation geschlossen. Ich hatte das Gefühl, dass unsere Arbeit dort stark beschränkt wurde. Russland entwickelt sich unter Putin zu einem autoritären Staat. Das Prinzip der zentralen Kontrolle funktioniert aber nicht, weshalb das Regime schwach ist. Das wiederum schafft Raum für Veränderungen.
Format: Trotzdem haben Sie sich aus Russland zurückgezogen?
Soros: Nur die Foundation hat sich zurückgezogen. Ich unterstütze dort noch elf Initiativen, darunter auch gesundheitliche.
Format: In den USA unterstützen Sie die Anti-Bush-Bewegung.
Soros: Weil die offene Gesellschaft in den USA in Gefahr ist.
Format: Unter offener Gesellschaft verstehen Sie eine, deren oberstes Prinzip die Wahrheit ist und die sich auf der Suche nach dieser ständig selbst korrigiert.
Soros: In Amerika zählt die Wahrheit immer weniger. Stattdessen geht es um Emotionen. Die Massenmedien haben während des Wahlkampfs ihre Verpflichtung zur Kritik nicht mehr wahrgenommen. Eine manipulative Medienmaschinerie des rechten Flügels war am Werk. Den Amerikanern, die ohnedies nur TV-Comedys sehen wollen, war's egal. Jetzt wird das zum Glück wieder besser, und Bush verliert immer mehr Anhänger.
Format: Sie haben ein Buch mit dem Titel "Die Vorherrschaft der USA - eine Seifenblase" geschrieben.
Soros: Amerika ist die einzige Supermacht, und deshalb hängt die Zukunft der Welt von diesem Staat ab. Mit der Haltung, die Welt aus der Perspektive des Krieges gegen den Terror zu betrachten, und mit der Invasion im Irak sind die USA aber aus den Geleisen geraten. Es ist für einen Amerikaner allerdings gefährlich, so zu argumentieren, denn wer das tut, gilt gleich als unpatriotisch.
Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von FORMAT!

