Ex-EU-Kommissionspräsident über Krise
enttäuscht: "Haben echte Chance verpasst"
- Jacques Santer: "Europa fehlt Vision und Führung"
"Enttäuscht" zeigte sich am Dienstag der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jaques Santer über das Scheitern des EU-Gipfels vergangener Woche. "Was uns fehlt, ist eine Vision von Europa und eine europäische politische Führung", kritisierte der Luxemburger am Rande einer Pressekonferenz in Brüssel. "Die Welt wartet nicht auf Europa", meinte Santer. "Wir haben in der vergangenen Woche eine echte Gelegenheit verpasst, der EU einen Anstoß zu geben."
Der ehemalige Kommissionschef drängte nach der verfehlten Einigung über die EU-Finanzierung auf eine Reflexionsphase, und zwar "in den nächsten Monaten, nicht in den nächsten Jahren". Damit solle ermöglicht werden, auf "eine realistische Art und Weise fortzufahren".
"Krise ist ein griechisches Wort", so Santer. "Wir haben gelernt, dass nach der Krise die Katharsis (Befreiung, Läuterung, Anm.) folgt. Ich hoffe, die Katharsis kommt sehr bald." Krisenerprobt ist Santer selbst bereits zur Genüge: Im Jahr 1999 trat die von ihm geführte EU-Kommission wegen Vetternwirtschaft und Missmanagement geschlossen zurück. Dies war bisher der einzige Vorfall dieser Art in der Geschichte der EU.
(apa/red)
