Zwei Wochen Regenzeit in China: Bereits über 560 Tote durch Überschwemmungen
- Mehr als 1,5 Millionen Menschen wurden evakuiert
- "Hoffen, dass uns internationale Organisationen helfen"
Im Süden Chinas sind bei Überschwemmungen und Erdrutschen bisher mehr als 560 Menschen ums Leben gekommen. Die Naturkatastrophe in Folge sintflutartiger Regenfälle in den vergangenen Wochen führte vielerorts zu chaotischen Zuständen.
Mehr als 1,5 Millionen Menschen wurden in sechs Provinzen in der Unglücksregion in Sicherheit gebracht. Die Schäden beliefen sich auf umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro. Experten gehen davon aus, dass das Schlimmste noch bevorsteht. "Auch wenn die Fluten langsam zurückgehen, werden die Dämme noch lange Zeit untergetaucht bleiben, es könnte also jederzeit neue Katastrophen geben", sagte ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung von Foshan in der südchinesischen Provinz Guangdong.
Die zehn Millionen Menschen in Guangdong, einer der Wirtschaftsmotoren des Landes, bereiteten sich der Agentur Xinhua zufolge auf die stärksten Überschwemmungen in der Geschichte der Provinz vor. Auch in Teilen Hongkongs traten Flüsse über ihre Ufer.
Nach Berichten des staatlichen Fernsehens werden im Süden des Landes 69 Menschen noch immer vermisst. Verwirrte und benommene Menschen manövrierten in mehreren Städten auf Schranktüren und Betten durch die überfluteten Straßen. Auf der Suche nach Lebensmitteln und Resten ihrer Habe paddelten sie zwischen herabhängenden Elektrizitätsleitungen und Unrat. In der Industriestadt Wuzhou in der südlichen Provinz Guangxi wurden die Gebäude am Flussufer bis zum Dach geflutet. Die Bewohner flohen in höher gelegene Gebiete und versuchten, sich irgendwie zu schützen.
In den Dörfern war die Lage ebenfalls katastrophal. "Einige ältere Bewohner schafften es nicht, ihre Häuser zu verlassen. Rettungskräfte kamen nicht, die Menschen starben in ihren Wohnungen", sagte ein Augenzeuge. Die Einheimischen suchten im Schlamm nach Überresten ihres Besitzes. Viele Häuser wurden dem Erdboden gleich gemacht. "Wir wurden nicht gewarnt. Wir hoffen, dass uns internationale Organisationen helfen. Aber sie sollten die Unterstützung direkt an uns geben, nicht an die Regierung", sagte der Augenzeuge.
Sommerfluten sind in China nicht ungewöhnlich, in Südchina hat es in den vergangenen Wochen aber besonders stark geregnet. Für die Überflutungen machen Experten die fortschreitende Abholzung der Wälder mitverantwortlich.
(apa/red)
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