Donnerstag, 23. Juni 2005

Bericht zur Lage im Irak: Rumsfeld strikt gegen Zeitplan für einen Truppenabzug!

  • Innenpolitischer Druck auf Bush-Regierung wächst

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat sich strikt dagegen gewandt, einen Zeitplan für den Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak aufzustellen. Rumsfeld sagte bei einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuss des Senats am Donnerstag in Washington, damit würde den Aufständischen, die zuletzt schwere Verluste erlitten hätten, eine "Rettungsleine" zugeworfen.

Rumsfeld sagte, mit der Festlegung auf einen Zeitplan erhöhe sich auch die Gefahr eines Bürgerkrieges. Im Irak stehe weiterhin eine schwere Aufgabe bevor: "Der Erfolg wird nicht einfach kommen", sondern vielmehr Geduld erfordern. Die Regierung von US-Präsident George W. Bush ist innenpolitisch zunehmend unter Druck, weil die Gewalt im Irak seit mehreren Wochen wieder zunimmt. Auch in Bushs Republikanischer Partei gibt es kritische Stimmen. Umfragen zufolge sinkt in der Bevölkerung die Unterstützung für den Krieg.

Eine nüchterne Lagebeurteilung gab der Kommandant der US-Truppen in der Golfregion, General John Abizaid, ab. Die Aufstandsbewegung sei in den vergangenen sechs Monaten nicht schwächer geworden, sagte Abizaid und widersprach damit einer Äußerung von Vizepräsident Dick Cheney. Er schätze sogar, dass die Zahl der in den Irak eindringenden ausländischen Kämpfer höher sei als vor einem halben Jahr. Der Generalstabschef Richard Myers sagte den Abgeordneten, dass es eine Katastrophe im Irak geben würde, wenn die US-Streitkräfte das Land vor Erfüllung ihrer Aufgabe verlassen würden. (apa)

23.6.2005 19:36