Freitag, 24. Juni 2005

Die Schweiz ist wieder mobil: Nach Mega-Blackout sind alle Züge wieder auf Achse

  • Kurzschluss an einer Übertragungsleitung als Ursache
  • Zugverkehr eingestellt: 100.000 Reisende saßen fest

Das bisher größte Bahnchaos in der Geschichte der Schweiz ist durch einen simplen Kurzschluss verursacht worden. Der Vorfall auf der Strecke zwischen Amsteg im Kanton Uri und Rotkreuz im Kanton Zug löste eine Kettenreaktion aus, durch die im gesamten Land die Stromversorgung der Bahn zusammenbrach. Rund 200.000 Fahrgäste waren am Mittwochabend davon betroffen.

Am Donnerstagvormittag lief der Verkehr auf den Schienen wieder normal. Der Zwischenfall kostet die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) Schätzungen zufolge rund zehn Millionen Schweizer Franken (6,5 Millionen Euro). Die Bahn gab allein 200.000 Gutscheine im Wert von 15 Franken (9,73 Euro) an ihre Fahrgäste aus. Die Ursache des Kurzschlusses war zunächst unbekannt.

Die Panne hatte ein heilloses Chaos zur Folge. Rund 1.500 Züge standen um 17.47 Uhr zeitgleich still. Bis zu 100.000 Menschen saßen nach Angaben der SBB teils auf offener Strecke bei brütender Hitze in den Waggons fest, die Klimaanlagen fielen aus. Gegen 21.00 Uhr rollte der Verkehr langsam wieder an. Die meisten Fahrgäste seien mit Bussen zu ihren Zielorten gebracht worden, sagte ein Sprecher. Die Bahn habe 250 Busse angemietet. Rund 300 Menschen seien mit dem Taxi nach Hause gefahren oder in Hotels untergebracht worden.

Das Schweizer Bahnsystem wird für seine Pünktlichkeit gerühmt. Die SBB sind wie das Matterhorn und Schokolade ein nationales Identifikationssymbol. Weltweit fährt niemand so viel mit der Bahn wie die Eidgenossen: Durchschnittlich legt jeder Schweizer im Jahr 2.077 Bahnkilometer zurück. Die SBB befördern nach eigenen Angaben pro Jahr über 253 Millionen Fahrgäste und rund 58 Millionen Tonnen Güter. (apa)

24.6.2005 11:38