"Kalif von Köln" hinter Gittern: Kaplan in Istanbul zu lebenslanger Haft verurteilt!
- Der Verurteilte spricht von einem unfairem Prozess
Der als "Kalif von Köln" bekannt gewordene türkische Extremist Metin Kaplan muss in seiner Heimat lebenslang ins Gefängnis. Zu dieser Strafe verurteilte ihn am Montag ein Gericht in Istanbul wegen Hochverrats. Die drei Richter sahen es als erwiesen an, dass der Gründer der Organisation "Kalifatsstaat" 1998 einen Terroranschlag auf das Atatürk-Mausoleum in Ankara befohlen habe.
Dabei sollte die dort zum Nationalfeiertag versammelte türkische Staatsspitze mit einem mit Sprengstoff beladenen Kleinflugzeug angegriffen werden. Kaplan hatte die von den türkischen Sicherheitskräften vorzeitig aufgedeckten Attentatspläne als frei erfunden und als "Komplott" bezeichnet.
Der türkische Islamistenführer war im vergangenen Oktober nach einem langwierigen Rechtsstreit aus Deutschland abgeschoben worden. Seine Verteidiger hatten kürzlich bei einer Pressekonferenz in Berlin erneut Zweifel vorgebracht, dass der Prozess gegen Kaplan in der Türkei rechtsstaatlichen Prinzipien genüge. Die Anklage stütze sich auf Aussagen von angeblichen Mitverschwörern, die 1998 unter Folter erzwungen worden seien.
Vor seiner Verurteilung in dem Hochverratsprozess bekräftigte Kaplan, er habe mit den angeblichen Attentatsplänen nichts zu tun gehabt. Er warf der türkischen Justiz vor, ihn allein wegen seines Glaubens zu verfolgen. Im Laufe des letzten Verhandlungstages hatten seine Anwälte mehr Zeit beantragt, um seine Verteidigung vorzubereiten. Das Gericht lehnte dies ab.
Daraufhin zweifelte Kaplan die Glaubwürdigkeit des Gerichts an. "Ich glaube nicht, dass es sich hier um einen fairen Prozess handelt", sagte der Islamistenführer, der sich weigerte, den Richter anzuerkennen. Wichtig sei für ihn stattdessen das Urteil der Geschichte. "Wir wollen ein System in der Türkei, in dem der Koran die Verfassung, die Scharia die Rechtsprechung und der Islam den Staat darstellt", sagte Kaplan ferner.
(apa)
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