Montag, 20. Juni 2005

Blutiger Terrortag im Irak: Drei Anschläge fordern dutzende Tote, darunter auch Baby

  • Opferbilanz seit Kriegsende: 22.500 Zivilisten getötet
  • PLUS: EU/US-Gipfel in Washington zu Wiederaufbau

Im Irak gibt es nach wie vor keinerlei Anzeichen für ein Abebben der Gewalt. Am Montag starben bei drei, offenbar zeitlich abgestimmten Anschlägen mindestens 30 Menschen, vorwiegend Polizisten und Zivilisten, aber auch ein US-Soldat sowie ein Baby. Weit über 50 Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

Die Opferbilanz seit dem von US-Präsident George W. Bush am 1. Mai 2003 verkündeten offiziellen Ende der Kampfhandlungen im Irak ist äußerst blutig: Laut einer Zählung der in London beheimateten Organisation "Iraq Body Count" sind in diesem Zeitraum mindestens 22.500 Zivilisten und Polizisten den Anschlägen und Kämpfen zum Opfer gefallen. Dem stehen nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AP und des TV-Senders CNN über 1.700 Tote auf Seiten der US-Strietkräfte gegenüber.

Bei dem ersten Anschlag auf eine Polizeistation in Bagdad wurden am Montagvormittag zehn irakische Polizisten getötet, die Opferzahl könnte aber noch steigen. Nach einigen Berichten sei auch ein acht Moinate altes Baby getötet worden. Wie Polizei und US-Militär mitteilten, überfielen Rebellen die Station mit Autobomben, Granaten und Schusswaffen. Mindestens eine Autobombe explodierte, eine Polizeipatrouille sowie US-Soldaten erwiderten das Feuer.

Nur Minuten später riss ein Selbstmordattentäter in der nordirakischen Stadt Erbil mindestens 20 Menschen mit in den Tod. Der Mann, der sich selbst als Polizist verkleidet haben dürfte, sprengte sich vor dem Hauptquartier der Verkehrspolizei in die Luft, wie die Behörden in der überwiegend von Kurden bewohnten Stadt mitteilten. Etwa 50 weitere Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt.

Der Anschlag erfolgte während der morgendlichen Versammlung zur Arbeitseinteilung, zu der sich rund 200 Verkehrspolizisten im Hof ihres Hauptquartiers eingefunden hatten. Unter den Opfern dürften auch zahlreiche Zivilisten sein, die sich vor dem Gebäude angestellt hatten, um einen Führerschein zu beantragen oder andere Amtswege zu erledigen.

Ebenfalls fast zur gleichen Zeit wurde im Norden des Iraks, nahe der Stadt Tal Afar westlich von Mossul (Mosul), bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes ein US-Soldat getötet. Eine Gruppe von US-Soldaten befand sich dort auf Patrouille, teilte ein Militärsprecher mit.

Bei einer von US-Soldaten durchgeführten Razzia wurde im westirakischen Karabila eine "Schule" der Terroristen entdeckt. "An der Tafel des Klassenzimmers standen Anweisungen zum Bau von Bomben", hieß es in einer Mitteilung des Militärs. Außerdem seien auf dem Gelände DVDs gefunden worden, auf denen die Enthauptung von Geiseln und zu sehen sei.

Nachdem es nach der Entführung des Italieners Salvatore Santoro monatelang keine Nachrichten gegeben hatte, ist seine Leiche nun im Westen des Irakl gefunden und identifiziert worden. Die irakische Zeitung "Bagdad" berichtete am Montag unter Berufung auf die italienische Botschaft in Bagdad, die Leiche des Neapolitaners habe anhand einer DNA-Analyse identifiziert werden können. Santoro, der für eine Hilfsorganisation gearbeitet hatte, war Mitte Dezember 2004 an einer Straßensperre bei Ramadi von Extremisten angehalten und entführt worden. Später zeigten die Täter irakischen Journalisten eine Leiche zusammen mit einem Pass des Italieners. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA wurde die Leiche bereits am 15. Juni entdeckt. Nun konnte die Identität des Mannes festgestellt werden.

Das Sondertribunal zur Aufklärung der Straftaten des gestürzten Regimes veröffentlichte derweil ein neues Video, auf dem unter anderem der einst als "Chemie-Ali" gefürchtete Cousin Saddam Husseins, Ali Hassan al Majid, zu sehen ist. Insgesamt acht Angeklagte machen Zeugenaussagen vor einem Ermittlungsrichter und unterschreiben vor der Kamera ihre Aussagen. Es war schon das dritte derartige Video, das vom Tribunal in diesem Monat veröffentlicht wurde. Auf einem der Bänder war Saddam Hussein selbst zu sehen.
(apa/red)

20.6.2005 13:50