Aus Protest gegen "gefälschte" Wahl im Iran: Reformer Karroubi zurückgetreten
- Von allen politischen ämtern - will neue Partei gründen
- Reformkräfte unterstützen bei Stichwahl Rafsandjani
·Iran: Präsidenten-Stichwahl am 24. Juni
Rafsandjani und Teheran- Bürgermeister im Duell
Aus Protest gegen mutmaßliche Wahlfälschungen im Iran ist der Reformer Mehdi Karroubi von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Er werde eine neue Partei gründen, die "klar von den Islamisten und den nicht-religiösen Kräften getrennt" sein werde, die der Teheraner Führung feindlich gesinnt seien, schrieb Karroubi in einem am Sonntagabend bekannt gewordenen Brief an Ayatollah Khamenei.
Karroubi ist ein Vertrauter des scheidenden Präsidenten Khatami. Er war bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl auf den dritten Platz gekommen. In die Stichwahl gehen der gemäßigte Ex-Präsident Rafsandjani und der erzkonservative Bürgermeister von Teheran, Ahmadinejad. Karroubi hatte gemeinsam mit den beiden wichtigsten Reformparteien am Sonntag zur Wahl Rafsandjanis aufgerufen. Die Stichwahl soll am kommenden Freitag stattfinden.
Die Reformkräfte des Landes stellten sich nahezu geschlossen hinter den gemäßigten Konkurrenten von Ahmadinejad. Die Iraner seien aufgerufen, ihre Stimme Rafsanjani zu geben, um nicht "in die Falle des Talibanismus und des Totalitarismus zu laufen", erklärte die wichtigste Reformpartei, die Iranische Islamische Beteiligungsfront.
Derweil schloss sich der iranische Ex-Außenminister Yazdi indirekt der Kritik am Wahlverlauf an. Er wisse, dass Teile des Militärs und der paramilitärischen Organisationen deutlich Einfluss auf die Wahlen genommen hätten, sagte Yazdi. Diese hätten Ahmadinejad unterstützt und dafür landesweit ihre Strukturen genutzt. Dass der kaum bekannte Bürgermeister das zweitbeste Ergebnis erhalten habe, sei "überraschend" und habe mit der Tatsache zu tun, dass er Vorzugskandidat des Wächterrats sei, sagte Yazdi.
US-Außenministerin Rice stufte die Präsidentschaftswahl unterdessen trotz der hohen Wahlbeteiligung von 62,7 Prozent als unbedeutend ein. "Eine Wahl, in der tausende Kandidaten disqualifiziert wurden und Frauen nicht antreten konnten, verdient den Namen nicht", sagte sie. (apa)
