Ministerin Rauch-Kallat beruhigt nach BSE-Fall: 'Absolut keine Gefahr für Bevölkerung'
- 2. Fall in Österreich: Betrieb im Kleinwalsertal betroffen
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Zum zweiten Mal hat sich ein BSE-Fall in Österreich bestätigt. Wie Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat und Umweltminister Josef Pröll bei einer spontan einberufenen Pressekonferenz in Wien bekanntgaben, handelt es sich um eine Milchkuh aus einem Bergbauernbetrieb im Vorarlberger Kleinwalsertal. "Es besteht absolut keine Gefahr für die Konsumenten", betonten die Politiker. Keine Teile des Tieres seien auf irgendeinem Weg in die Nahrungskette gelangt und waren auch nie für diese bestimmt gewesen.
Das Tier namens Brüna, das am 31. März 1994 auf dem Hof geboren worden ist, verendete bereits Ende Mai 2005, nachdem es im Stall zusammengebrochen war. Danach wurde der Kadaver nach Deutschland in eine Tierverbrennungsanlage gebracht. Dort wurde ein routinemäßiger BSE-Test durchgeführt, der einen Verdachtsfall nahe gelegt hat, zwei weitere Schnelltests kamen zu dem selben Resultat. Danach wurden die österreichischen Behörden am 17. Juni informiert. Laut Rauch-Kallat wurden unverzüglich weitere Untersuchungen zum Abgleichen der Ergebnisse vollzogen.
Der betroffene Hof - der von den Ministern nicht näher definiert wurde - wurde bereits geschlossen. Die sechs verbleibenden Rinder wurden am Dienstag getötet und zu Testzwecken zu AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) transportiert. Erste Ergebnisse sollen heute vorliegen. Rauch Kallat betonte, dass kein Fleisch des Hofes jemals ohne Untersuchung in die Nahrungskette gelangt sein kann. Dem 66-jährigen Bauern wurde der Wert für seine Tiere ersetzt, beide Minister drückten ihr Bedauern aus.
Rätselraten um Krankheitsursache
Wie sich das Tier infiziert hat, ist noch ungeklärt. Bei dem Betrieb handelt es sich um einen kleinen Bergbauernhof, der keine Rinder zugekauft hat. Es soll auch kein Tiermehl oder anderes Risikomaterial verfüttert worden sein. Eine so genannte Spontaninfektion gilt allerdings auch als unwahrscheinlich. Laut Wissenschaft liegt die Chance für ein derartiges Phänomen bei 1:1,000.000. Die Gesundheitsministerin schloss ebenfalls aus, dass die getesteten Teile des Tiere vertauscht worden sein könnten. "Der Weg zum Rind ist lückenlos nachvollziehbar", meinte sie. Der Vorarlberger Landesveterinär Erik Schmid vermutet verunreinigtes Kraftfutter als Auslöser für die BSE-Erkrankung der Kuh im Kleinwalsertal.
Experte: Kuh war ein Risikotier
Die betroffene Milchkuh sei ein "Risikotier" gewesen, sagte der Wiener Neurologe und Prionen-Forscher Herbert Budka in der "Zib 3" in der Nacht auf Mittwoch. Die Kuh sei 11 Jahre alt gewesen. Zum Zeitpunkt der Geburt des Rindes sei Kraftfutter, das mit Tiermehl versetzt wurde, noch erlaubt gewesen.
Außerdem gebe es enge Verbindungen nach Bayern, ergänzte Budka. In dem deutschen Bundesland wurden schon mehr als 100 Fälle von BSE bestätigt. Der zweite österreichische Fall habe den Experten daher "nicht wirklich gewundert".
Risikotiere sollten weiterhin lückenlos und flächendeckend getestet werden, betonte Budka in Hinblick auf Erwägungen in der EU, die BSE-Regeln zu lockern. Der Vorschlag, statt flächendeckend nur mehr stichprobenartig zu kontrollieren, sei abgesehen von Risikotieren aber durchaus überlegenswert. "Der Sinn der Tests ist nicht, das Fleisch sicherer zu machen, sondern einen Überblick zu bekommen, wie die Risiko-Situation im Land ist." Und die sei weitgehend bekannt.
"Nach allem, was wir wissen, gibt es in Österreich ein sehr niedriges BSE-Risiko." Dieses sei "um Zehner-Potenzen" niedriger als in den Nachbarstaaten.
Pröll: Nahrungssicherheit im europäischen Spitzenfeld
Umweltminister Pröll betonte, dass Österreich trotz des mittlerweile zweiten bestätigten BSE-Falles bei der Nahrungssicherheit im absoluten europäischen Spitzenfeld liegt. Der jetzt aufgetretene Fall untermauere vielmehr, dass die Tests auch in puncto Rindfleisch Sicherheit für den Konsumenten bieten. "Das System funktioniert", meinte Pröll.
Die Auswirkungen auf Österreichs Rindfleischexport waren am Dienstag noch nicht absehbar. Die Vergangenheit habe aber laut Pröll gezeigt, dass manche Länder "überreagieren". Er werde alle seine Beziehungen dafür einsetzen, den für Österreich wichtigen Export aufrecht zu erhalten.
S E R V I C E : Die AGES hat ein Info-Telefon unter den Nummern 050 555 32 - Durchwahlen 301 bis 305 bereitgestellt. Weitere Informationen gibt es außerdem im Internet unter www.ages.at
(apa/red)
