Ingeborg Bachmann-Preis geht an Thomas Lang: Erzählung "Am Seil" ausgezeichnet
- Österreich und die Schweiz gingen wieder leer aus
- PLUS Porträt: Der Preisträger ist bekennender Filmfan
Der deutsche Autor Thomas Lang erhält für die Erzählung "Am Seil" den Ingeborg Bachmann-Preis 2005. Das gab die Jury des Lese-Wettbewerbs am Sonntag in Klagenfurt bekannt. Der Hauptpreis der 29. "Tage der deutschsprachigen Literatur" ist mit 22.500 Euro dotiert. In der Erzählung geht es um eine zerrüttete Vater-Sohn-Beziehung, die tödlich endet.
Nach Jahren treffen einander Vater und Sohn wieder und fahren zu einem alten Bauernhof. Der Vater lässt seinen Plan durchblicken, sich vom Sohn beim Selbstmord helfen zu lassen. Doch dieser hat andere Pläne. Es bleibt offen, ob am Ende Sterbehilfe, Mord oder Doppelselbstmord steht.
Der mit 10.000 Euro dotierte Preis der Jury ging an die deutsche Autorin Julia Schoch. Sie war mit dem Text "Der Ritt durch den Feind", die Geschichte einer orientierungslosen Frau, vertreten. Den mit 7.500 Euro dotierten 3sat-Preis durfte die in Offenbach geborene und in Frankreich lebende Autorin Anne Weber für einen Romanauszug entgegen nehmen.
Der Ernst-Willner-Preis im Wert von 7.000 Euro ging an die deutsche Autorin Natalie Balkow für die Erzählung "Oben, wo nichts mehr ist". Mit dem per Internet-Stimmabgabe vergebenen Publikumspreis (5.000 Euro) wurde der in Deutschland lebende gebürtige Bosnier Sasa Stanisic ausgezeichnet. Er hatte in einer Erzählung die Einnahme seiner Heimatstadt Visegrad aus der Sicht eines Kindes beschrieben.
Österreich und die Schweiz gingen wieder einmal leer aus. Die beiden heimischen Autoren Gerhild Steinbuch und Anna Kim schafften es nicht einmal in die "Short list", jene Vorauswahl, auf die sich die Juroren vor der Ermittlung der Preise einigen.
Der Bachmann-Preis wird seit 1977 in Erinnerung an die 1926 in Klagenfurt geborene Schriftstellerin verliehen. Es ist eine der bedeutendsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum. (apa)
