Wiener VP-Landesparteitag: Hahn wurde mit 95,7 Prozent zum neuen Obmann gekürt
- Tritt die Nachfolge von Finanzstaatssekretär Finz an
- Kanzler Schüssel mit scharfen Attacken gegen die SPÖ
·Wiener ÖVP wählt heute neuen Chef
Johannes Hahn folgt auf Finanzstaatssekretär Finz
·Porträt des neuen Wiener VP-Obmanns
Bereits seit einem Jahr geschäftsführender Chef
·Hahn will bei Wien-Wahl Zweiter werden
Mit über 20%. SP-Absolute soll gebrochen werden
·Hahn ist der bereits
14. Chef der Wr. ÖVP
Landesgruppe mit den meisten Obmann-Wechsel
Die Wiener ÖVP geht mit einem neuen Landesparteichef in den Wiener Landtagswahlkampf. Johannes "Gio" Hahn (47) wurde am Freitagabend beim Landesparteitag der Volkspartei mit 95,7 Prozent der Delegiertenstimmen zum Obmann gekürt und trat "von Herzen und mit Freude" die Nachfolge von Alfred Finz an. Neben der Wahl stand vor allem die Kritik an der SPÖ im Vordergrund des Parteitags im Wiener Museumsquartier.
Hahn sprach vor mehr als 650 Delegierten von einem "Machtrausch" der Sozialdemokraten und empfahl die Volkspartei als Alternative und einzige Kontrollpartei. "Ich stehe für eine bürgerliche Plattform, die für alle offen ist, im Interesse dieser Stadt", betonte er. Derzeit befinde sich die Stadt "im Würgegriff von wenigen Leuten, die sie unter dem Einsatz unglaublicher finanzieller Mittel fest in ihren Händen halten".
Die ÖVP wolle in Wien bei der Wahl im Herbst die zweitstärkste Partei werden: "Und zwar aus eigener Kraft und nicht weil sich andere atomisieren." Angepeilt wird demnach ein Ergebnis von mehr als 20 Prozent. Für die eigenen Parteikollegen gab es eine Warnung: "Ich akzeptiere nicht, dass persönliche Animositäten öffentlich ausgetragen werden."
Beim Parteitag wurde mit großer Mehrheit auch eine Änderung des Landesparteiorganisationsstatuts beschlossen, die vorsieht, dass ÖVP-Mandatare nach zwölf Jahren im Amt für jede weitere Kandidatur eine Zweidrittelmehrheit brauchen. Eine ähnliche Regelung gibt es bei den Grünen. Gemeinderat Günter Kenesei scheiterte an ihr - und findet sich heute in den Reihen des ÖVP-Klubs wieder.
Schüssel-Attacken gegen die SPÖ
Volle Unterstützung erhielt Hahn von Bundeskanzler und Bundesparteichef Wolfgang Schüssel. "Bürgerliches Wien wach auf, versammelt euch hinter Gio Hahn", lautete sein Aufruf. Hahn vermerkte im Gegenzug, dass die Zusammenarbeit mit der Bundespartei heute weit besser als früher funktioniere.
Den Großteil seiner Rede nutzte Schüssel für Attacken gegen die SPÖ. Er bezeichnete den Wiener SPÖ-Obmann und Bürgermeister Michael Häupl Häupl als "Meister der tiefen Töne, des niedrigen Niveaus". Die SPÖ sei schon lange keine Arbeiterpartei mehr, denn "wer schon Monate vorher nicht arbeiten will und zu den Urnen ruft, verdient diesen Namen nicht".
Der ÖVP prophezeite der Bundeskanzler für die Wiener Wahlauseinandersetzung gute Chancen. "Die SPÖ befindet sich im satten Vorgefühl, nichts kann ihnen passieren, die absolute Mehrheit haben sie im Sack. Aber man kann sich täuschen. Ihr werdet dafür sorgen, dass sich die roten Hausmeister in Wien täuschen", so Schüssel: "Wir werden dafür sorgen, dass Macht auch Kontrolle hat."
Die SPÖ reagierte empört. Harry Kopietz, Wiener SP-Landesparteisekretär, vermutete angesichts der Angriffe auf seine Partei, dass die Nerven offenbar blank lägen. Der geschäftsführende SP-Klubchef Josef Cap sprach von einer Beleidigung der Wiener Wähler.
(apa)
