Mittwoch, 15. Juni 2005

Großindustrieller und Ex-Geschäftsführer von Autobauer: "Keine Hoffnung für Fiat"

  • "Unternehmen wurde zu lange staatlich geschützt"
  • Kein gutes Zeugnis für Italiens Wirtschaft von Benedetti

Der italienische Großindustrielle Carlo De Benedetti, Präsident der Industrieholding CIR, sieht für die Turiner Autogruppe Fiat schwarz: "Fiat Auto hat keine Zukunftschancen mehr. Es tut mir leid, weil ich Geschäftsführer von Fiat gewesen bin und aus Turin stamme. Ich glaube aber, dass es für Fiat keine Hoffnung mehr gibt", sagte der Unternehmer im Interview mit dem TV-Kanal "RAI Sat".

"Fiat geht es schlecht, weil das Unternehmen zu lang staatlich geschützt worden ist. All das, was geschützt worden ist, infiziert sich, wenn man ihm diesen Schutz wegnimmt", sagte De Benedetti.

Ein Viertel weniger Neuzulassungen als im Vorjahr
Der italienische Autokonzern Fiat musste im Mai wieder massive Zulassungseinbußen in Europa hinnehmen. Nach Angaben der in Brüssel ansässigen Vereinigung der Automobilhersteller (ACEA) sanken die Neuzulassungen der drei Marken der Turiner Autogruppe (Fiat, Alfa Romeo und Lancia) gegenüber Mai 2004 um 26,7 Prozent auf 70.956 Autos. Die Zulassungen des Turiner Autobauers in den ersten fünf Monaten 2005 sanken um 19,7 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2004.

Der Marktanteil des italienischen Autobauers im Mai fiel in Europa von 7,4 Prozent auf 5,5 Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat 2004. Im April 2005 hatte der Marktanteil noch 6,4 Prozent betragen. In den ersten fünf Monaten betrug der Marktanteil der Turiner Gruppe in Europa 6,6 Prozent. Im Vergleichszeitraum 2004 war der Marktanteil noch von acht Prozent.

Fiat rechtfertigte das negative Ergebnis im Mai mit einem Streik von Lastwagenfahrern, der drei Wochen lang die Auslieferung neuer Fahrzeuge behindert hatte. Fiat musste in seiner größten Autofabrik die Produktion stoppen, weil die Parkplätze vor den Produktionsstätten bereits mit Neuwagen voll gestellt waren.

Kein gutes Zeugnis für italienische Wirtschaft
Der Großunternehmer schlug wegen des Zustands der italienischen Wirtschaft Alarm. "Die wirtschaftliche Lage in Italien ist schlimmer, als man spürt. Die Führungselite ist sich des wahren Zustands der italienischen Wirtschaften nicht bewusst", sagte De Benedetti.

"Das Defizit in Ordnung zu bringen, ist komplex, doch man weiß, wie dies funktioniert. Was man nicht weiß, ist, wie man die reale Wirtschaft wieder in Schwung bringt. Italien muss neue Wettbewerbsfähigkeit gewinnen, um sich mit den anderen Ländern messen zu können", so De Benedetti. Seine CIR beteiligt sich mit der österreichischen Verbundgesellschaft am Stromkonzern Energia. (apa)

15.6.2005 11:55