Freitag, 17. Juni 2005

FORMAT hat den Euro im Urlaub getestet: Wieviel Ihr Geld jetzt im Ausland wert ist

  • 100 € sind je nach Ferienziel unterschiedlich viel wert
  • Wo Touristen für ihr Geld am meisten bekommen

Heiße Partys auf Ibiza gehen ins Geld. Während Nachtschwärmer in Frankreich oder Griechenland rund zwanzig Euro für den Eintritt in einen In-Club hinblättern, müssen Tanzwütige im spanischen Urlaubereldorado mit bis zu siebzig Euro rechnen. "Ibiza ist nun einmal ein teures Pflaster für Touristen", so TUI-ReiseCenter-Chef Harald Kraus.

Nicht nur Diskobesuche belasten das Urlaubsbudget je nach Aufenthaltsort unterschiedlich stark. Auch die Preise für Strandliegen, einen Besuch beim örtlichen Frisör oder einen Kaffee unterm Sonnenschirm variieren je nach Feriendestination beträchtlich. Werner Eisenrauch, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft der Statistik Austria: "Euro ist nicht gleich Euro. Hundert Euro sind im Vergleich zu Österreich in der Slowakei 208 Euro wert. In der Schweiz hingegen bekommen wir um dieses Geld nur Waren im Wert von 81 Euro" (siehe Grafik).

Als teure Urlaubsdestination gilt nach wie vor Frankreich - und das drückt sich besonders beim Essen aus. Für ein Mittelklasse-Diner sind dort knapp 18 Euro zu berappen. Eine Kugel Eis an der schicken Strandpromenade in Saint-Tropez oder Cannes kostet gleich zwei Euro, für einen kleinen Strandimbiss werden den Badegästen fast vier Euro abgeknöpft.

Neben Feinschmeckern klagen auch Raucher über hohe französische Preise. So kostet eine Stange Zigaretten der Marke Gauloises etwa fünfzig Euro. Raucher sollten ihre Zigaretten deshalb lieber daheim kaufen.

Unterm Strich müssen Frankreich-Urlauber rund vierzig Prozent mehr ausgeben als all jene Reisenden, die das laut Österreichischem Reisebüroverband (ÖRV) heuer beliebteste Ferienziel wählen: die Türkei. Die Türkei führt bei den Buchungen vor Griechenland, Spanien und Kroatien, und das liegt wohl auch am Euro, der dort besonders viel wert ist: Die Türkei gilt als günstigstes der traditionellen Ferienziele.

Während eine Tasse Kaffee an der Côte d'Azur 3,48 Euro kostet, sind es am goldenen Strand von Alanya 1,17 Euro. Im Land am Bosporus freuen sich Reisende auch über Zigaretten zu Spottpreisen - 19 Euro kostet dort eine Stange durchschnittlich. Auch für einen Besuch beim türkischen Frisör legen Urlauber nur 5,12 Euro auf den Tisch. Dabei sind das noch immer Touristenpreise: Einheimische zahlen noch weniger.

Ebenso ist der Zeitvertreib für Sonnenhungrige in der Türkei wohlfeil. Fahrten mit dem "Banana-Boot" sowie Sonnenliegen sind besonders preiswert. Für eine Sonnenliege mit Schirm zahlen Touristen in Ferien-Hochburgen wie Alanya, Bodrum, Side oder Kemer umgerechnet 1,76 Euro pro Tag. Zum Vergleich: An der italienischen Adriaküste kostet so eine Liege im Durchschnitt 6,40 Euro. "Immer häufiger gibt's die Liegen in der Türkei sogar gratis", erzählt TUI-ReiseCenter-Chef Harald Kraus.

Günstig ist auch Griechenland - und das vor allem bei Speis und Trank: Ein Mittelklasse-Abendessen mit landestypischen Leckereien wie Gyros, Tsatsiki und Moussaka, serviert mit einem Glas Retsina, kostet im Durchschnitt sieben Euro.

"Unter den meistbesuchten Auslandsdestinationen der Österreicher weist neben der Türkei nur Kroatien ein ähnlich vorteilhaftes Preisniveau auf", resümiert Statistiker Eisenrauch. Vor allem bei Städtereisen sei diese Entwicklung spürbar: Ein Sightseeing-Trip durch die kroatischen Küstenstädte Dubrovnik und Split kostet rund 14 Euro, in Slowenien wird Urlaubern fast fünfzig Euro für eine eintägige Stadtbesichtigung durch Marburg oder Laibach abgeknöpft.

Für Urlauber mit schmaler Brieftasche empfehlen sich auch die neuen EU-Beitrittsländer. Denn der österreichische "Urlaubs-Euro" ist dort um über sechzig Prozent mehr wert als daheim. In Tschechien bekommen Touristen fast das Doppelte für ihr Geld, in der Slowakei ist Urlauben sogar noch billiger. Und auch in Slowenien lässt es sich für Touristen gut leben. Hundert "österreichische Euro" entsprechen dort 142 Euro. Ein Beispiel: Für eine Tasse "Café au lait" verlangen die Slowenen im Durchschnitt nur 88 Cent - im Hochpreisland Frankreich hingegen sind es 2,74 Euro.

Im Mittelfeld bei den Urlaubskosten liegt das bei Österreichern auch recht beliebte Deutschland. So werden dort ganztägige Stadttouren etwa durch die Hauptstadt Berlin um 21 Euro angeboten (Europaschnitt: 28,90 Euro). Eine Flasche Cola im Restaurant kostet 1,26 Euro (Europaschnitt: 1,30 Euro), ein Museumseintritt 3,20 Euro (Europaschnitt: 4,26 Euro), eine Runde Tennis 11,30 Euro (Europaschnitt: 9,87 Euro). Unschlagbar günstig sind die Deutschen beim Eis - nur 0,58 Euro pro Kugel müssen in der Gelateria gelassen werden (Europaschnitt: 1,10 Euro).

Angesichts des starken Euro sind vor allem Reisen in die USA preiswert. Allein in den vergangenen zwölf Monaten sind die Aufenthalte im Land der unbegrenzten Möglichkeiten um sieben Prozent billiger geworden. "Die USA haben für Österreicher stark an Attraktivität gewonnen. Viele fahren mit einem Mietwagen quer durchs Land", sagt Thomas-Cook-Austria-Chefin Petra Sikorsky. Schließlich sind die amerikanischen Spritpreise mit rund 70 Cent je Liter Benzin (europäischer Durchschnitt: 1,12 Euro je Liter) noch immer günstig. Beliebter Trip: Von San Francisco durch die Nationalparks Utahs zum Grand Canyon bis zur Spielermetropole Las Vegas.

An den Dollar gekoppelte Währungen wie der mexikanische Peso drücken die Urlaubskosten auch in Mittelamerika nach unten: Im Vergleich zum Vorjahr ist das Preisniveau in Mexiko um vier Prozent gesunken. Deshalb reisen Europäer - trotz mehr als zehn Stunden Flugzeit - zunehmend in das pazifische Strandparadies Acapulco, in das pittoreske Bergdorf San Cristobal oder auf die karibische Halbinsel Yucatan.

Ähnlich auch die Entwicklung in Japan. Dort haben sich Reisen, vor allem in die japanische Hauptstadt Tokio, aufgrund des schwachen Yen-Kurses um rund 14 Prozent verbilligt. Die Preise haben bei der kontinuierlichen japanischen Deflation zuletzt ebenfalls nachgegeben. Teuer ist Japan freilich nach wie vor. Experte Eisenrauch bringt es auf den Punkt: "Hundert Euro sind, gemessen an der Kaufkraft innerhalb Europas, in Japan nur 88 Euro wert."

"Nebenkosten wie die Ausgaben für Verpflegung oder Freizeit werden gegenüber den Fixkosten wie den Ausgaben für Anreise und Unterkunft bei der Wahl des Urlaubszieles immer wichtiger", erklärt Thomas-Cook-Austria-Chefin Petra Sikorsky. Schließlich haben die Reiseveranstalter ein Argumentationsproblem, wenn der Posten für Eiscreme, Getränke, Tretboot und Co am Ende über den Kosten für Flug und Hotel liegt.

Und die sind derzeit besonders günstig: Bei Thomas Cook Austria (Neckermann) ist ein Doppelzimmer in einem Dreisternehotel im verschlafenen Örtchen Archangelos auf der griechischen Insel Rhodos schon um sieben Euro pro Person zu buchen, auf der benachbarten Insel Heraklion kostet ein Doppelzimmer etwa in der Villa Nancy auch nur neun Euro. Selbst in der oberen Liga, den Viersternehotels, bietet Thomas Cook etwa im Floriana Resort auf Mallorca ein Doppelzimmer schon um 14 Euro an.

Unter dem Strich steigen die Gesamt-Urlaubskosten heuer - von durchschnittlich 800 Euro pro Österreicher im Jahr 2004 auf 840 bis 850 Euro. Da sind der 15-Euro-Kerosin-Zuschlag der Airlines enthalten sowie ein zunehmender Anspruch der Erholungssuchenden nach höherer Qualität. TUI-Chef Franz Leitner meint: "Bei uns wird der Durchschnittsurlaub zwischen zwei und 2,5 Prozent teurer." (FORMAT Nr. 24/05)

17.6.2005 10:04