Spionage am Arbeitsplatz: Jede zweite Firma überwacht E-Mails und Webnutzung
- E-MEDIA: Kündigung kommt aus heiterem Himmel
- PLUS: So schützen Sie sich gegen neugierige Chefs!
Es gibt Tage, da versteht man die Welt nicht mehr. Neun Jahre lang hat man sich in der Firma den Rücken krumm gehackelt. Bekam Dankesbriefe vom Chef: "Super Einsatz!" Und dann legt der einem plötzlich die Kündigung auf den Tisch. Weil man während der Dienstzeit im Internet nach einer Wohnung gesucht hat. Fristlos gefeuert - ohne Vorwarnung. Christine Miler schüttelt nur den Kopf und kann es sich nicht erklären: "Er hat doch nie gesagt, dass wir nicht ins Internet dürfen."
Aber Frau Miler ist keine, die kampflos aufgibt. Seit zwei Jahren kämpft sie vor Gericht gegen ihre Entlassung. Dort wedelt ihr Exchef mit Surfprotokollen ihrer "zu intensiven Webnutzung" (Miler: "Sogar auf einer Sexseite soll ich gewesen sein!") - doch die Richter geben Frau Miler Recht. Aktueller Stand: Milers Boss geht in Berufung, demnächst wird weiterverhandelt.
Ein Fall, der schwarz auf weiß beweist, was viele schon lange vermutet haben: Büro-PCs werden systematisch überwacht. Auch in Österreich. Eine Studie von Hitachi Data Systems zeigt:
Schotten technisch dicht
Begründet werden die immer rigideren Überwachungsmaßnahmen mit zwei Argumenten:
Ratgeber als PDF
Nicholas Hauser von der IG work@it der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA): "Kennt ein Chef etwa dank PC-Spionage den Kontostand des Mitarbeiters, hat er bei der Gehaltsverhandlung alle Trümpfe in der Hand. Die Sorge bei den Arbeitnehmern wächst - wir haben immer mehr Anfragen, wie man sich wehrt." Unter www.gpa.at/news/raecher.pdf stellt die GPA nun einen 50 Seiten dicken Ratgeber als Gratisdownload zur Verfügung, der technische und rechtliche Hinweise vermitteln soll.
"Absolute Rechtssicherheit bei der privaten Nutzung von Firmen-PCs ", so Birgit Ceplak, Arbeiterkammer-Spezialistin für Arbeitsrecht, "schaffen sowieso nur Betriebsvereinbarungen."
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