Mittwoch, 15. Juni 2005

Ex-Libro-Chef André Rettberg, nach 16 Monaten auf der Flucht: "Ich stelle mich!"

  • André Rettberg – gesucht wegen betrügerischer Krida – lebte als U-Boot in Amsterdam. Sein Flucht-Tagebuch.

Warum er sich der Justiz stellt. Das Interview: „Ich war Milliardär. Jetzt stehe ich vor dem Nichts.“
Exklusiv: Das Tagebuch einer 16-monatigen Flucht. „Die Angst vor dem Gefängnis“, so Rettberg, „war riesig groß ...“

Der Nieuwezijds-Platz im Herzen von Amsterdam, 22.30 Uhr, Montag dieser Woche. Ein Mann schlendert langsam über das Kopfsteinpflaster, bleibt vor einem Geschäft stehen, geht weiter, zieht einsam seine Runden.

Die Stirnkappe vielleicht ein wenig zu tief ins Gesicht geschoben, den Mantelkragen ein bisschen zu hoch gestellt. Trotzdem: Nichts an dem Mann scheint „verdächtig“. Er wirkt wie ein Einheimischer. Wie einer der vielen Künstler, die hier in der holländischen Hauptstadt leben – und nachts durch die Straßen spazieren.

Der Nieuwezijds-Platz im Herzen von Amsterdam, 22.30 Uhr, Montag dieser Woche. Vor dem Eingang zu einem Hotel soll der Treffpunkt sein. Hier soll André Rettberg auf ein NEWS-Team warten.

Doch nicht einmal Elmar Kresbach, der mit den Reportern nach Holland gereiste Anwalt des mehr als 16 Monate lang steckbrieflich (wegen versuchter betrügerischer Krida) Gesuchten, erkennt seinen Klienten – in dem unauffälligen Mann, der da wenige Meter vor ihm über den Gehsteig flaniert. Bis dieser auf seinen Verteidiger zugeht und ihm eine Hand auf die Schulter legt: „Habe ich mich so sehr verändert?“
Aufstieg und Fall. Tatsächlich erinnert äußerlich nur noch wenig an den Menschen, der er früher einmal war.

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15.6.2005 16:21