Nach Niederlage: Staatsanwalt Sneddon hadert mit Freispruch für Michael Jackson
- "Wir sind in der Tat enttäuscht über dieses Urteil"
- Eifriger Ermittler auf den Spuren des "King of Pop"
·Jackson-Freispruch
spaltet ganz Amerika
Nur 27% der Bürger mit der Entscheidung zufrieden
·Jackson kann noch Zivilklage drohen
Trotz Freispruch gericht-liches Nachspiel möglich
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Freispruch für King of Pop
- richtiges Urteil gefällt?
·Vom "King of Pop" zum Skandal-König!
Jacksons Karriere längst in Hintergrund geraten
·Geschäftsmann Jackson in Nöten
Popstar hat mehr als 200 Millionen Dollar Schulden
Nicht nur für Michael Jackson ging es um viel. Auch der Ruf von Staatsanwalt Tom Sneddon hing vom Ausgang des Verfahrens gegen den Popstar ab, den er im Dezember vorletzten Jahres wegen Kindesmissbrauchs angeklagt hatte. Nach dem Freispruch für den einstigen "King of Pop" trat Sneddon mit düsterer Miene vor die Reporter im kalifornischen Santa Maria.
"Wir sind in der Tat enttäuscht über dieses Urteil", sagte er knapp. Ganz geschlagen wollte er sich aber noch nicht geben. Sollten neue Verdachtsmomente auftauchen, werde er ohne Zögern erneut gegen Jackson ermitteln, kündigte Sneddon an.
Eine alte Gegnerschaft verbindet die beiden ungleichen Männer - hier der in der Glamourwelt des Showbiz aufgewachsene und in einen immer exzentrischeren Lebensstil abgedriftete Megastar, dort der aus einer einfachen Bäckerfamilie stammende Karrierejurist und neunfache Familienvater. Schon vor mehr als zehn Jahren hatte Sneddon wegen Kindesmissbrauchs gegen Jackson ermittelt. Damals kam der Musiker glimpflich davon, nachdem er sich mit der Familie des Jungen gegen angebliche Millionenzahlungen außergerichtlich einigen konnte.
Mit dem Freispruch durch die Geschworenen ist Jackson nun also zum zweiten Mal den Fängen des eifrigen Staatsanwalts entkommen. Sneddon hält sein Vorgehen trotzdem für richtig: "Ich werde mich nicht entschuldigen für das, was ich getan habe." Und dass er Jackson auch nach dem Freispruch nicht für unschuldig hält, ließ er durchblicken: Auf die Frage eines Journalisten, ob er nun das Gefühl habe, einen Kinderschänder laufen zu lassen, antwortete Sneddon wortkarg: "Kein Kommentar."
"Scharfer Hund" aus einfachen Verhältnissen
Es gibt wohl auch kaum jemanden, den Jackson so sehr fürchtete wie Sneddon: Bei den Ermittlungen vor über zehn Jahren hatte der Oberstaatsanwalt den Popstar dazu gezwungen, seinen Penis fotografieren zu lassen - für Jackson eine demütigende Erfahrung, die er sogar in einem wütenden Song verarbeitete. In dem Stück "DS" von 1995 beschreibt Jackson den Ermittler als einen "kalten Mann", der vor nichts zurückschrecke, um seine Ziele durchzusetzen.
Sneddon bestreitet, einen persönlichen Rachefeldzug gegen Jackson zu führen. Allerdings gilt der Bezirksstaatsanwalt als ausgesprochen "scharfer Hund". Seine Kämpferqualitäten stellte er im Laufe seiner Karriere schon oft unter Beweis. Weil er nicht im Bäckerladen der Eltern in einem Vorort von Los Angeles arbeiten wollte, entschied er sich für das Studium, zunächst an der renommierten Notre Dame University im Bundesstaat Indiana, später an der University of California in seiner Heimatstadt.
Persönlich bei Razzia dabei
Sein ganzes Berufsleben hat Sneddon als Ermittler verbracht. 1969 wurde er bei der Staatsanwaltschaft von Santa Barbara angestellt, 1983 wurde er zum Oberankläger des Bezirks gewählt - ein Posten, auf dem ihn die Wähler seither fünfmal bestätigt haben.
Der Mann mit dem Walross-Schnauzer setzte alles daran, dass Jackson nicht noch einmal davonkommt. Obwohl er 50 Staatsanwälte kommandiert, leitete er selbst die 14-stündige Razzia auf der berühmten "Neverland Ranch" des Sängers, gab persönlich den Haftbefehl bekannt, verkündete persönlich die Anklagepunkte. Vorzuwerfen habe er sich nichts, sagte Sneddon nun: "Wir haben professionelle Arbeit geleistet."
(apa/red)
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