Freitag, 17. Juni 2005

Hoher Ölpreis: Österreichs Wirtschafts-wachstum um 0,25 Prozent gesenkt

  • Starker Euro verhindert bisher noch höhere Spritpreise
  • WIFO: Konsumenten sind unelastisch

Zehn Prozent mehr beim Ölpreis bedeutet 0,1 Prozentpunkte weniger Wirtschaftswachstum, rechnete am Freitag WIFO-Konjunkturexperte Markus Scheiblecker. Er geht in Österreich von bis zu 0,25 Prozentpunkten geringerem Wirtschaftswachstum durch den hohen Ölpreis aus.

Bisher habe der starke Euro die Wirkung der Preiserhöhungen abgefedert. Seit aber der Euro zum Dollar sinkt, sei das zwar gut für die Exportwirtschaft, aber die dämpfende Wirkung der europäischen Währung auf die Energiepreise lasse gleichzeitig nach: "Würde man beispielsweise annehmen, dass der Rohölpreis auf dem Niveau von 57 Dollar über das Jahr noch bleiben würde, dann hätten wir ein Jahresdurchschnitt von etwa 54 Dollar und dass ist doch um 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor", so Scheiblecker im ORF-Radio.

Im Vergleich zu anderen Industrieländern sei die österreichische Wirtschaft dem hohen Ölpreis aber etwas weniger ausgeliefert. Energieintensive Unternehmen und solche, die Erdölprodukten als Vorleistung brauchen, spielten nur eine geringe Rolle. Direkt betroffen sind die Konsumenten über die hohen Benzin- und Dieselpreise. Viele Autofahrer können oder wollen bei hohen Preisen nicht einfach auf sparsamere Autos oder auf öffentlichen Verkehr umsteigen. "Unelastische Nachfrage" nennt das der Wirtschaftsforscher. Dadurch müssten die Autofahrer eben in anderen Bereichen mehr sparen.

In den bisher letzten Prognosen vom April geht das WIFO für heuer von einem Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent aus, das Institut für Höhere Studien IHS von 2,1 Prozent. Die nächste Prognose, inklusive Ölpreiswirkung, legen die Wirtschaftsforscher im Juli vor.(apa/red)

17.6.2005 14:36