Expansion auf zwei Rädern: KTM-Boss Pierer geht auf große Einkaufstour
- Motorradhersteller hat bereits Eternit erworben
- VA Tech Hydro im Viser - Bikes auf der Überholspur
Angefangen hat Stefan Pierer als unauffälliger Sanierer kleinerer Unternehmen. Im Dezember 1991 kam dann der große Auftritt des heute 47-Jährigen: KTM, damals vom Industriellen Josef Taus gesteuert, schlitterte in den Konkurs, und Pierer übernahm den Lenker beim Motorradhersteller. Heute feiert KTM bei Sportveranstaltungen wie der Rallye Dakar einen Erfolg nach dem anderen, setzt mehr als 400 Millionen Euro jährlich um und fährt jetzt auch schon im Geschäft mit Straßenmaschinen mit.
Mit der im oberösterreichischen Mattighofen gelegenen Motorradschmiede allein konnte Pierer seinen besonders regen unternehmerischen Tatendrang schon bisher nicht befriedigen: Pierer ist mit seinem Partner Rudolf Knünz Aktionär der ebenfalls oberösterreichischen Firmen Rosenbauer (Feuerwehrausrüstungen) und Gericom (Notebooks). Zum Drüberstreuen wickelt er über seine Wohnbau West Immobilienverwaltung GmbH in Wels Gewerbe- und Wohnbauobjekte ab.
Jetzt bringt Pierer frischen Wind in sein Beteiligungsreich: Zuerst hat er seine in der börsennotierten Cross-Holding beziehungsweise in Pierers und Knünz' privater PK Industrie Holding GmbH liegenden Firmenanteile neu geordnet. In der Cross-Holding befindet sich künftig nur noch KTM, "weil die Börse eine einfache Story braucht", wie Pierer meint. Rosenbauer hingegen ist in seine private Company gewandert, wo sich jetzt auch der Traditionsbetrieb Eternit befindet, den Pierer und Knünz erst vor wenigen Tagen zu achtzig Prozent gekauft haben. Pierer, der in den Neunzigern ein Jahr als Vorstand der Dachziegelfirma gearbeitet hat, bleibt im sportlichen Jargon: "Eternit ist ein Nischenweltmeister." Die Marke sei stark und entwicklungsfähig.
VA Tech Hydro im Visier
Damit noch immer nicht genug an Expansionsplänen. Pierer, der sich zum oberösterreichischen Großindustriellen mausert: Er rittert nun unter anderem mit Investor Mirko Kovats um einen Einstieg bei der VA Tech Hydro (einst Elin), die der neue Eigentümer des Linzer Anlagenbauers VA Tech, Siemens, aus kartellrechtlichen Gründen noch heuer abstoßen muss.
Pierers und Knünz' Partner bei dem geplanten Coup ist der frühere steirische VP-Wirtschaftslandesrat und jetzige Magna-Manager Herbert Paierl. Das Trio hat gute Karten beim Poker um die Firma, die mit 3.036 Mitarbeitern und satten 884 Millionen Euro Umsatz globaler Anbieter von elektromechanischen Ausrüstungen und Dienstleistungen für Wasserkraftwerke ist. Denn während Kovats bei der Belegschaft der im steirischen Weiz ansässigen VA Tech Hydro gefürchtet ist, könnten Pierer und Knünz dank Paierl bei Teilen der steirischen Politik auf offene Ohren stoßen.
"Quads" sind groß im Kommen
Pierer, der als "Mister KTM" gerne in Zielräumen von Motorradrennen auf seine Fahrer wartet, will trotz des wachsenden Firmenportefeuilles bei KTM nicht auf die Bremse steigen. Nachdem er den Geländemaschinenmarkt schon voll im Griff hat und sein Geschäft mit Straßenmaschinen anläuft, hat er gerade ein neues Produkt entdeckt: Es geht um die vierrädrigen "Quads", von denen bei Preisen zwischen 8.000 und 14.000 Euro pro Stück in Europa jährlich 50.000 Exemplare verkauft werden.
Bei herkömmlichen Motorrädern ist KTM hinter BMW bereits die Nummer zwei, bei den Quads will Pierer "mittelfristig zehn bis 15 Prozent Anteil erreichen". Zu diesem Zweck strebt er eine Kooperation mit einem der führenden US-Hersteller - Bombardier, Solaris oder Arcticat - an. Pierer: "Wir wollen gemeinsam gegen die in diesem Segment starken Japaner antreten."
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