FORMAT: Diskonter im Nadelstreif - Hofer-Chef Burger jagt nach neuen Marktanteilen
- Diskonter fährt auch bei Konsumflaute Gewinne ein
- "Wollen zum Nahversorger im Diskontbereich werden"
Scampi auf Rucola-Salat im Nobelrestaurant Aioli in der Wiener City. "Darf ich?", fragt Hofer-Chef Armin Burger, ehe er beim Termin mit FORMAT sein Nadelstreifsakko salopp über die Sessellehne hängt. Es geht um die Erfolgsgeheimnisse des Mannes, der als Profiteur des Diskontbooms auch in der Konsumflaute Marktanteile gewinnt und vor einer ansehnlichen Karriere bei der deutschen Hofer-Mutter Aldi stehen dürfte.
Sonnengebräunt, sportlich und entspannt, als wäre die Leitung einer geschätzte 2,3 Milliarden Euro Jahresumsatz schweren Firma ein Spaziergang mit Freunden, ist Burger ein Widerspruch zur hemdsärmeligen und zur Verbissenheit neigenden Handelsbranche: Er sieht eher nach Wall Street als nach Regalstraße aus.
Erfolgreiche Jagd nach Marktanteilen
Burgers Rechnung ging bisher auf. Er steigerte den Marktanteil von Hofer mit beinharter Expansion sowie neuen Frische- und Tiefkühlofferten seit 1999 von 11,7 auf 15,6 Prozent. Deshalb war er zuletzt sogar als Nachfolger Veit Schalles als Generalbevollmächtigter der Billa-Gruppe im Gespräch.
Personell bildet Hofer überhaupt eine in sich abgeschlossene Welt. Von der Kassiererin bis zum Topmanager ist die Fluktuation weit niedriger als bei allen anderen Ketten. Der Grund sind Gagen, die teils sechzig Prozent über dem Branchenschnitt liegen. Mitarbeiter loben zudem ein zwar leistungsorientiertes, aber offenes Arbeitsklima.
Marschroute: Nahversorger im Diskontbereich
Der Billa-Gruppe und deren Mutter Rewe ist mit Burgers Absage nicht nur ein profilierter Kandidat durchs Netz geschlüpft, sie hat auch einen Herausforderer behalten, der dem klassischen Lebensmittelhandel in Zukunft wohl noch mehr Kopfzerbrechen machen wird als bisher. Die Ansage des Hofer-Chefs: "Wir wollen zum Nahversorger im Diskontbereich werden."
Im Klartext: Burger will es jetzt endgültig wissen und das österreichische Hofer-Potenzial mit weiteren Wachstumsschüben voll ausreizen. Mit seinem Nahversorgerkonzept stößt Hofer Expertenberechnungen zufolge erst mit einer Filiale je 20.000 bis 25.000 Einwohner an die Expansionsgrenze. Bis zu 400 Läden, also sechzig zusätzliche, sind demnach in Österreich noch drin. Gleichzeitig will Burger Hofer beim Sortiment als Alleinversorger etablieren: Wer bei Hofer einkauft, soll kein anderes Lebensmittel- oder Drogeriegeschäft mehr aufsuchen müssen.
Die neue Sortimentspolitik bedeutet nicht, dass Hofer, in dessen Regalen sich rund 750 Artikel befinden, künftig mit der für ihn unerreichbaren Angebotsbreite des klassischen Lebensmittelhandels (rund 7.000 Artikel) mithalten will. Burger will mit Qualität punkten, die im Zusammenhang mit dem Diskont in dessen Urzeiten ein Fremdwort war: "Statt sechs Ketchups gibt es bei uns eines. Wir treffen für unsere Kunden eine Vorauswahl. Das heißt, dass unser Ketchup das beste zum günstigsten Preis sein muss."
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