Donnerstag, 16. Juni 2005

ÖBB nimmt Standortauflösung vor: 3.200 Eisenbahner bekommen nun neue Büros

  • ÖBB-Chef will Drittel der Arbeitsplatzkosten einsparen
  • Neues Hauptgebäude wird am Zentralbahnhof stehen

Der Vorstand der ÖBB-Holding hat seinem Aufsichtsrat am Mittwoch seine neue Standortstrategie vorgelegt. Demnach wird ein Großteil der insgesamt 23 Bürostandorte in Wien aufgelassen und die Verwaltung bis 2010 auf vier neue Standorte konzentriert. 3.200 Eisenbahner bekommen dadurch eine neue Büroadresse.

ÖBB-Chef Martin Huber will durch die Standortkonzentration pro Arbeitsplatz 33 Prozent der Kosten einsparen. In Summe sollen die Kostenersparnis mehrere Millionen Euro betragen. Huber will die Konzentration "in Rekordzeit" erledigen.

Das neue Hauptgebäude der ÖBB soll am Wiener Zentralbahnhof entstehen. Dort sollen die ÖBB-Holding, die ÖBB-Dienstleistungs GmbH und die ÖBB-Immobilienmanagement GmbH angesiedelt werden - Baubeginn ist 2007. Bis zur Fertigstellung des neuen Büros soll die Zentrale im Herbst vom noblen Palais im ersten Wiener Gemeindebezirk (Elisabethstraße 9) in die Twin Towers im zehnten Bezirk verlegt werden und damit in unmittelbare Nähe des Wienerberger-Headquarters ihres Aufsichtsratschefs Wolfgang Reithofer ziehen.

Die ÖBB-Infrastruktur Bau AG mit 220 Mitarbeitern ist dagegen bereits mit Anfang Juni aus dem ersten Bezirk (Elisabethstraße 18) in ein Zwischenquartier im neue Bürohaus Arcade Meidling gezogen. Bis 2010 sollen die ÖBB-Infrastruktur Betrieb AG, die ÖBB-Infrastruktur Bau AG und die ÖBB-Personenverkehr AG am schon jetzt bestehenden Standort Praterstern 3-4, dem bis dahin neu errichteten Bürogebäude Praterstern 5 und in den dann generalsanierten ÖBB-Häusern Nordbahnstraße 50 zusammengezogen werden.

Im früheren Postbürogebäude in der Erdberger Lände 34-48 werden schon Ende 2006 die Mitarbeiter der Rail Cargo Austria AG zusammengeführt. Und in einem neuen Büro neben dem Westbahnhof, mit dessen Bau ebenfalls 2007 begonnen wird, soll die ÖBB-Traktion GmbH einziehen.

"Jahrelange Probleme beseitigen"
"Wir haben die Chance, die neue Struktur des ÖBB-Konzerns in sinnvolle Bürolösungen umzusetzen und zugleich jahrzehntelange Probleme der ÖBB endgültig zu beseitigen", so ÖBB-Vorstandssprecher Huber in einer schriftlichen Stellungnahme zur APA.

Von den insgesamt 23 Standorten gehören elf den ÖBB, bei zwölf handelt es sich um angemietete Büroflächen. Von besonderen Interesse für den Immobilienmarkt werde das Innenstadt-Portfolio aus den vier Liegenschaften Elisabethstraße 9, Elisabethstraße 18, Gauermanngasse 2 und Friedrichstraße 4 sein, glauben die ÖBB. "Noch 2005 werden wir das Verwertungskonzept für diese Liegenschaften fertig stellen", betonte Huber.

Um das Haus in der Elisabethstraße 18 läuft allerdings ein Restitutionsverfahren. Das Gebäude in der Inneren Stadt war im Dritten Reich wegen angeblicher Steuerschulden der Familien Bloch-Bauer und Pick konfisziert und damals an die Reichsbahn versteigert worden. Die Erbin Maria Altmann fordert es nun zurück. Auf Grund einer Vorentscheidung eines US-Schiedsgericht werden ihr nach jüngsten Medienberichten gute Chancen eingeräumt. Ein ÖBB-Sprecher wollte dazu am Donnerstag auf APA-Anfrage keine Stellungnahme abgeben.

(apa)

16.6.2005 18:28