Donnerstag, 16. Juni 2005

Erster Widerstand gegen "Spielberg neu": Gefährden nun die Eurofighter das Projekt?

  • Teststrecke und Jets könnten Lärmlimit überschreiten
  • Klasnic und Red Bull wollen über 100 Mio. € investieren

Das Projekt Spielberg steht offenbar unter keinem guten Stern. Nachdem sich Landeshauptfrau Klasnic und Red Bull auf ein gemeinsames "Projekt neu" geeinigt haben, gibt es nun ersten Widerstand gegen die Ausbaupläne. Neben lokalen Bürgerinitiativen, die nach einem ORF-Bericht wenig Freude mit dem 100-Millionen-Umbau haben, treten bereits Befürchtungen auf, dass die Stationierung der Eurofighter am Fliegerhorst Zeltweg und eine Autorenn-Teststrecke, die zulässigen Lärmlimits in der Region überschreiten könnten.

Am Tag nach der Projektpräsentation meldeten am Freitag jene Bürgerinitiativen, die im Rahmen des alten "Projekt Spielberg" - erfolgreich - aktiv waren, Bedenken in punkto Umweltverträglichkeit des neuen Spielberg-Rings an. Sorgen machen vor allem Mehrbelastungen durch Feinstaub, Lärm und Verkehrsaufkommen.

Grundsätzlich stehe man dem neuen Projekt neutral gegenüber, lautete der Tenor der früheren Bürgerinitiativen-Sprecher Karl Arbesser und Hubert Hörbiger. Allerdings habe es keinen Sinn, "Ho-Ruck-Atkionen zu starten oder irgendwelche Deals mit uns auszumachen. Die Gesetze und Richtlinien müssen eingehalten werden", betonte Arbesser gegenüber der APA.

Momentan sei er, Arbesser, "ziemlich entspannt. Das Büro von Landeshauptfrau Waltraud Klasnic hat mir gestern am Telefon glaubhaft versichert, dass bereits in der Planungsphase intensiv mit den Betroffenen gesprochen wird." Grundsätzlich könne er sich eine Teststrecke vorstellen, eine Rennstrecke sei allerdings als "heikel" zu beurteilen. Arbesser kann sich schwer vorstellen, wie man die Grenzwertbestimmungen in der dicht besiedelten Region einhalten wolle. Für Absprachen abseits der gesetzlichen Bestimmungen sei er nicht zu haben: "Das Projekt muss eindeutig gesetzeskonform sein, dann sind wir glücklich."

Hubert Hörbiger, vormals Sprecher der zweiten Bürgerinitiative, vermutet im APA-Gespräch hinter dem Projekt "Spielberg neu" einen Versuch, die Stimmung in der Region vor den Wahlen umzudrehen. Derzeit könne man das neue Projekt noch schwer beurteilen, "weil in der Planungsphase viele noch nicht wissen, was sich genau dahinter verbirgt." Hörbiger, der beim eingestellten "Projekt Spielberg" vor allem gegen die geplante Offroad-Strecke auftrat, ist sich daher auch noch unsicher, "ob sich hinter der neuen Teststrecke für die Industrie nicht doch wieder eine Offroad-Strecke verbirgt."

Ob es eine Neuauflage der Bürgerinitiative geben wird, hängt für Hörbiger "vom weiteren Projektverlauf" ab. "Wenn man uns tatsächlich in die Planung einbindet, werden wir konstruktiv und produktiv mitarbeiten", weist auch Arbesser auf den seiner Einschätzung nach guten Willen innerhalb der Bevölkerung hin.

SP-Kräuter sieht Gefährdung durch Eurofighter
SPÖ-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter sieht das Projekt "Spielberg neu" im Zusammenhang mit der Stationierung aller Eurofighter in Zeltweg gefährdet. Kräuter verwies auf die steirische Umweltanwältin Ute Pöllinger, die angedeutet hatte, dass die Einhaltung der Lärmgrenzwerte dadurch nicht gerade erleichtert werde.

Kräuter bezeichnete die geplante Stationierung der 18 Abfangjäger als "alles entscheidenden Stolperstein auf dem Weg zu einer Wiederherstellung des A1-Ringes und für Perspektiven für die Bevölkerung im Aichfeld." Er forderte Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (V) auf, "die wirklich entscheidende Voraussetzung für das Gelingen des Red-Bull-Projektes, nämlich die Abbestellung der Eurofighter", zu unterstützen. Kräuter kündigte für die letzte Nationalratssitzung vor dem Sommer auch einen entsprechenden Antrag im Parlament an.

Verärgert auf die Kräuter-Aussendung reagierte ÖVP-Geschäftsführer Reinhold Lopatka: Jetzt müssten alle an einem Strang ziehen, um das Projekt "Spielberg neu" umzusetzen, SPÖ-Landesvorsitzender Franz Voves solle daher den "Miesmacher" Günther Kräuter "einbremsen".

Klasnic startete überraschend Projekt "Spielberg neu"
Die steirische Landeshauptfrau Klasnic hat überraschend den Start des Motorsportprojekts "Spielberg neu" verkündet. Klasnic legte eine schriftliche Zusage von Mateschitz vor, wonach Red Rull und Industriepartner ein genehmigungsfähiges und baureifes Projekt übernehmen werden und 100 bis 150 Mio. Euro investieren wollen.

Der künftige Spielberg-Ring soll in erster Linie als Teststrecke und für Events dienen, so Pankl Racing-Chef Ernst Wustinger, der das Projekt vorbereitet. Auch Auto- und Motorradrennen werde es wieder geben. Längerfristiges Ziel sei es auch, die Formel 1 zurückzuholen, wobei vordringlich aber die Sicherstellung der Auslastung übers Jahr sei. Mit einem Baubeginn könne in einem Jahr gerechnet werden, die Fertigstellung wäre laut Zeitplan 2008 möglich.

"Das Projekt ist wieder am Tisch", freute sich Klasnic. Klasnic verwies darauf, dass das ursprüngliche Spielberg-Projekt von "Red Bull" auch in dieser Größenordnung geplant war. Wustinger unterstrich auch, dass das Vorhaben von der Größe in die Region passen müsse.

In der Planungs- und Genehmigungsphase wird die am Mittwoch gegründete "Spielberg neu Projektentwicklungs GesmbH." tätig werden, in der Pankl Racing-Vorstandsvorsitzender Wustinger als Geschäftsführer agiert. Das Land stellt zwei Mio. Euro an Planungsgeld zur Verfügung. Bei den künftigen Investitionen im Rahmen von 100 bis 150 Mio. Euro sind Förderungen der öffentlichen Hand von - wie bisher zugesagt - 15 Prozent in Aussicht gestellt.

Die Projektsteuerung hat die Gartler & Partner GesmbH übernommen. Klasnic kündigte an, sie werde dafür sorgen, dass es ein professionelles UVP-Verfahren geben werde. Es werde schon im Vorfeld "alles versucht", um mit den Anrainern einen Konsens zu erzielen.

Mateschitz: "Formel 1 ist kein Thema"
Red Bull-Chef und Mitinvestor Dietrich Mateschitz meint in einem Interview für die "Kleine Zeitung" (Freitag-Ausgabe): "Die Formel 1 ist kein Thema. Zumindest jetzt nicht. Das wäre illusorisch." Mit anderen neuen Grand-Prix-Strecken wie beispielsweise jener in der Türkei "werden wir uns nicht messen können".

Trotzdem wird man sich laut Mateschitz bemühen, neben der Nutzung des Geländes als Test-Anlage auch Rennen in Spielberg auszutragen - "allein schon, um die Auslastung zu optimieren".

In das Projekt endgültig einsteigen will der Red Bull-Chef erst, wenn alle Genehmigungen erteilt sind. Wenn wie beim letzten Mal Einsprüche durchkämen, werde er das wieder völlig wertfrei sehen, betonte Mateschitz: "Mehr als unsere Hilfe anbieten können wir wieder nicht."

Wer die Partner bei "Spielberg neu" sein könnten, deutet der Red Bull-Chef vorerst nur an: "Es gibt Gespräche. Und ich bitte, das genau so zu formulieren. Gespräche, die alle sehr positiv sind, mit Audi-VW, Magna und KTM."

(apa)

16.6.2005 10:37