Mittwoch, 15. Juni 2005

Libro-Pleite: Ex-Chef Andre Rettberg meldet sich in zwei Wochen bei Gericht!

  • Anwalt: 150.000 Euro Kaution wurden bereits hinterlegt
  • PLUS: Das Justizministerium sicherte freies Geleit zu

Wende im Libro-Krimi. Der seit mehr als einem Jahr flüchtige Chef der ehemaligen Buch- und Medienhandelskette Andre Rettberg wird sich in rund 2 Wochen beim zuständigen Landesgericht in Wiener Neustadt melden. Dies bestätigte Rettberg-Anwalt Elmer Kresbach auf APA-Anfrage. Rettberg werde sowohl beim Untersuchungsrichter in Sachen Libro-Insolvenz als auch beim Verhandlungsrichter im Fall betrügerischer Krida erscheinen.

Die Kaution in Höhe von 150.000 Euro wurde bereits von dritter Seite hinterlegt, so Kresbach. Das Justizministerium habe am Montag den Antrag Rettbergs auf freies Geleit stattgegeben, bestätigt der Anwalt auch den heutigen Bericht von Ö3-Radio. Das Justizministerium habe Rettberg feies Geleit bis zum Urteil in erster Instanz zugesichert, bestätigte auch ein Sprecher des Justizministeriums auf Anfrage.

Die Justiz wirft Rettberg, der nach der spektakulären 334 Mio. Euro-Pleite untergetaucht ist, grobe Fehler und betrügerische Krida vor. Im Februar hat das Landesgericht in Wiener Neustadt angeboten, gegen eine Kaution von 200.000 Euro Rettberg freies Geleit zu gewähren. Dies wurde von seinem Anwalt damals aus Kostengründen abgelehnt.

Hat Manager 4,4 Millionen Euro verschoben?
Im Anklageverfahren geht es laut Medienberichten unter anderem um Kredite, die Rettberg über seine Privatstiftung zum Erwerb von Libro-Aktien aufgenommen hat. Nach der Libro-Pleite hatten die Banken Rettberg einen Teil der Kredite erlassen. Rettberg soll jedoch auf Grund von späteren Ermittlungen 4,4 Mio. Euro aus früheren Aktienverkäufen über mehrere Unternehmen verschoben haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm deshalb betrügerische Krida vor. Rettberg beteuerte, keinen Zugriff auf die Gelder gehabt zu haben. Für Rettberg und alle Verdächtige in dem Verfahren gilt die Unschuldsvermutung.

Im Fall der Libro-Pleite laufen laut Informationen aus dem Landesgericht Wiener Neustadt noch die Voruntersuchungen. Ein Abschluss sei noch nicht abzusehen.

Libro schlitterte Mitte April 2002 in den Konkurs. Die Pleite der Buchhandelskette mit damals 246 Filialen und 22 Amadeus-Läden und fast 2.400 Mitarbeitern war mit mehr als 380 Mio. angemeldeten Forderungen die drittgrößte Insolvenz in Österreich seit 1954. nach dem Verkauf der Amadeus-Buchhandlungen an den deutschen Douglas-Konzern gingen die Libro-Filialen im November 2002 um 5 Mio. Euro an das Bieterkonsortium des Industriellen Josef Taus.

(apa/red)

15.6.2005 12:05