Mittwoch, 15. Juni 2005

Wien: OPEC bestätigt Anhebung der
Öl-Förderquote von 27,5 auf 28 Mio. Fass

  • Präsident zu weiterer Steigerung auf 28,5 Mio ermächtigt

Die Lage auf den internationalen Ölmärkten bleibt weiter angespannt. Die OPEC hat am Mittwoch zwar eine Ausweitung ihrer Ölfördergrenzen um bis zu eine Millionen Fass beschlossen. Den Markt hat sie damit aber nicht beruhigen können - im Gegenteil: In New York stieg der Ölpreis wegen knapper werdender Ölreserven erneut um fast eineinhalb Dollar auf deutlich über 56 Dollar je Fass. Selbst das Kartell glaubt nicht mehr daran, mit der Erhöhung seiner Ölförderung die Ölpreise nachhaltig unter 50 Dollar drücken zu können.

In Österreich hat die OMV die Benzin- und Dieselpreise erneut angehoben. Das war bereits die Preisrunde in weniger als zwei Wochen. Mit 1,074 Euro für einen Liter Super und 1,004 Euro für Diesel haben die heimische damit wieder den Rekordwert von Anfang April erreicht.

Schuld an den hohen Preisen sind nach Meinung der OPEC-Minister nicht Versorgungsengpässe, sondern zu knappe Ölverarbeitungskapazitäten. "Das Problem liegt bei den Raffinerien", sagte Saudi-Arabiens Ölminister Ali Al-Naimi. Der amtierende OPEC-Präsident und kuwaitische Ölminister Scheich Ahmed el Fahd el Sabah beschwor daher die Ölindustrie, stärker als bisher in die Ölverarbeitung zu investieren, um die Lieferengpässe bei Erdölprodukten zu überwinden.

In den USA sind in den vergangenen 30 Jahren keine neuen Raffinerien eröffnet worden, in Europa liegt die Eröffnung der letzten neuen Ölverarbeitungstätte auch schon zehn Jahre zurück.

Die OPEC-Minister hatten sich am Mittwoch bei ihrem Ministertreffen in Wien auf eine Anhebung der Förderobergrenze (ohne Irak) von 27,5 auf 28 Mio. Fass geeinigt. Scheich Ahmed wurde als OPEC-Präsident außerdem zu einer weiteren Anhebung der Förderquote auf 28,5 Mio. Fass noch vor dem nächsten Treffen am 19. September ermächtigt, wenn der Ölpreis zehn Tage in Folge über 55 Dollar liegen sollte.

Den Irak eingeschlossen werde die OPEC damit eine Gesamtproduktion von über 30,6 Millionen Fass täglich bis zum 4. Quartal 2005 erreichen. Obwohl die Ölförderung der OPEC-Länder insgesamt bereits zu bis zu 98 Prozent ausgelastet sei, gebe es noch freie Förderkapazitäten von mindestens einer Million Fass, heißt es aus dem Ölkartell.

Am Mittwoch (17:45 Uhr) wurde ein Fass der marktführenden Nordseesorte Brent in London um 54,43 Dollar gehandelt. Öl in London hat sich damit gegenüber dem Vortag um 70 Cent verteuert. In New York trieb eine Meldung über einen Rückgang bei den Öllagerbeständen leichtes Öl um 1,40 Dollar auf 56,40 Dollar. "Angemessen" wären laut OPEC-Präsident Scheich Ahmed 30 bis 50 Dollar je Fass.

Grund für die Bedenken der OPEC gegenüber den derzeit hohen Ölpreisen über 50 Dollar sind vor allem langfristige Überlegungen. Ist der Ölpreis zu hoch, würden die Abnehmerländer zunehmend in alternative Energieträger oder eigene Ölförderkapazitäten investieren, sagte Nigerias Ölberater Edmund Daukoru schon im Vorfeld. Außerdem trübt der hohe Ölpreis auch das Wirtschaftswachstum der Industriestaaten ein.

Die erste Anhebung der beschlossenen Ölförderquote soll laut OPEC mit 1. Juli schlagend werden. Tatsächlich fördern die OPEC-Staaten schon jetzt (ohne Irak) rund 30 Mio. Fass Öl pro Tag. Eine Entspannung am Ölmarkt ist daher nicht in Sicht. "Selbst mit der optimistischsten Schätzung ist die Reservekapazität der OPEC immer noch zu dünn, um den Markt zu beruhigen", sagte der Chefökonom der Unternehmensberatung Simmons und Co., William Davie.

Wie es am Ölmarkt weiter gehen wird, wird nach Einschätzung von OPEC und Analysten von der Entwicklung im vierten Quartal abhängen. Dann ist die Nachfrage traditionell am höchsten. "Beunruhigend ist, dass die Opec schon derzeit die Preise nicht unten halten kann. Jetzt ist die Saison mit dem niedrigsten Bedarf", sagte Gary Ross vom US-Beratungsunternehmen PIRA Energy. Der weltweite Bedarf werde im vierten Quartal im Durchschnitt drei Millionen Barrel pro Tag höher liegen als im zweiten.

(apa)

15.6.2005 18:14