Samstag, 18. Juni 2005

Überraschung bei den US-Open: Campbell hängt Woods ab und gewinnt erstes Major

  • Sensationeller Maori: Neuseeland im Freudentaumel
  • Titelverteidiger Goosen brach in Pinehurst: völlig ein

Golfprofi Michael Campbell hat den "Monsterkurs Pinehurst Nr. 2" gezähmt und mit seinem Sieg bei den 105. US Open rund vier Millionen Neuseeländer in einen Taumel versetzt. Als der 36-jährige Maori seinen letzten Putt auf dem höchst schwierigen Par-70-Platz in North Carolina nach 280 Schlägen versenkte, riss er seine Arme hoch und genoss den Triumph des ersten Major-Titels mit einem bewegenden Gefühlsausbruch.

"Unfassbar, unglaublich. Das ist alles, was ich sagen kann." Der Familienvater rang nach Worten. Tränen der Freude rannen über die Wangen, als er seine Emotionen mit seiner über das Gesicht geschobenen Golfmütze schamhaft zu verbergen suchte. "Ich habe so hart gearbeitet. Ich glaube aber, ich habe den Sieg verdient und meine Nation ist stolz auf mich", sagte Campbell nach dem Nerven aufreibenden Zweikampf mit dem neunfachen Major-Sieger Tiger Woods (282), der erst auf den letzten Löchern das Duell verlor.

Neuseelands Premierministerin Helen Clarke ließ sogar die wöchentliche Kabinettssitzung in Wellington verschieben, um den ersten Major-Sieg eines Maori und den zweiten nach Landsmann Bob Charles (British Open 1963) zu verfolgen. "Der Sieg ist einer der größten sportlichen Erfolge, und der Ehrenplatz für einen der größten Sporthelden ist zementiert", sagte Clarke. "Er hat Neuseeland, seine Gemeinde und seine Familie stolz gemacht."

Campbell, der 1995 bei den British Open dicht vor einem Major-Sieg stand, aber durch Verletzungen zurückgeworfen worden war, musste sich erst durch die Qualifikation für die US Open schlagen. "Mein Management und mein Caddie mussten mich dafür erst überzeugen", sagte Campbell, als er hörte, dass "ganz Neuseeland" in Kneipen, Restaurants und Geschäften vor Fernsehern gehockt und die Arbeit hatte ruhen lassen.

Tiger Woods spekulierte mit Stechen
Sechs Europatour-Siege brachten Campbell bis 2003 in die Weltspitze, nachdem er wegen anhaltender Erfolglosigkeit mit dem Karriere-Ende kokettiert hatte. Aber 1,25 Millionen Dollar waren der gerechte Lohn für sein Durchhaltevermögen. Am Ende hatte nur Woods noch eine Chance, doch der Weltranglistenerste spielte auf der 16 und 17 je einen Bogey. "Ich wollte noch ein Stechen erzwingen", sagte er.

Titelverteidiger Retief Goosen war mit einer desaströsen 81er- Runde völlig eingebrochen, nachdem er mit drei Schlägen Vorsprung auf die vierte Runde gegangen war. Goosen, der 2001 die US Open gewonnen hat, fand keine Erklärung für sein Desaster: "Ich habe einfach Schwachsinn zusammengespielt." Rang drei teilen sich mit je 285 Schlägen der Spanier Sergio Garcia, der Südafrikaner Tim Clark und der Australier Mark Hensby.

Endstand US Open in Pinehurst/North Carolina (par 70):
1.Michael Campbell280NZL71+69+71+69
2.Tiger Woods282USA70+71+72+69
3.Sergio Garcia285ESP71+69+75+70
-.-Tim Clark285RSA76+69+70+70
-.-Mark Hensby285AUS71+68+72+74
6.Vijay Singh286FIJ70+70+74+72
-.-Davis Love III286USA77+70+70+69
-.-Rocco Mediate286USA67+74+74+71
11.Retief Goosen288RSA68+70+69+81
15.Ernie Els289RSA71+76+72+70

(apa/red)

18.6.2005 14:39