Dienstag, 14. Juni 2005

9,77 Sekunden: Jamaikaner Asafa Powell
läuft in Athen neuen 100-m-Weltrekord!

  • Um eine Hundertstel schneller als Montgomery's Zeit
  • Plus: Entwicklung des 100-m-Weltrekordes der Männer

Jamaikas Supersprinter Asafa Powell ist seit Dienstag der schnellste Mann der Welt. Der Sportmedizin-Student aus Kingston bestätigte seine bestechende Form und nahm dem US-Amerikaner Tim Montgomery beim Super Grand Prix in Athen mit 9,77 Sekunden über 100 m den Weltrekord ab. Der von Dopingvorwürfen belastete Montgomery war am 14. September 2002 in Paris 9,78 Sekunden gesprintet, in Athen war er nicht am Start.

Powell machte sich damit endgültig zum großen Favoriten für die Weltmeisterschaften in Helsinki (6. bis 14. August). "Power Powell", ein Kraftpaket von 1,90 Meter und 88 Kilo, bot den rund 5.000 Fans im Athener Olympiastadion eine perfekte Ein-Mann-Show - und lieferte den erhofften Weltrekord "auf Ansage". In diesem Jahr stand der 22-Jährige schon mit ausgezeichneten 9,84 und 9,85 in der Statistik. Im Vorlauf heizte der Jamaikaner Spannung und Stimmung noch einmal kräftig an: Auf den letzten 20 Metern nahm er das Tempo heraus und trudelte dennoch in starken 9,99 Sekunden ins Ziel.

Ein Traumstart im Finale war dann die Grundlage für die Traumzeit, die noch kein Sprinter auf der Welt jemals erreichte. Der Wind blies mit 1,6 m/Sek. noch regulär - bis zu 2,0 m/Sek. Windunterstützung, wie sie Montgomery bei seinem Weltrekord hatte, sind erlaubt.

"Ich bin einfach nur glücklich"
"Man hat gesehen, dass keiner weiß, wie schnell ein Mann laufen kann", jubelte Powell nach seinem Triumph. "Ich bin einfach nur glücklich, dass ich den Weltrekord auf einer Strecke gebrochen habe, auf der schon Maurice Greene Weltrekord gelaufen ist." Der US-Amerikaner Greene hatte 1999 die 100 m in 9,79 Sekunden bewältigt - eine Zeit, die erst drei Jahre später durch Montgomery unterboten wurde.

"Ich habe immer gewusst, dass ich es schaffen kann. Es fühlt sich gut an, der schnellste Mann der Welt zu sein", freute sich Powell, dessen Zeit zunächst mit 9,78 Sekunden angegeben worden war, dann aber um eine Hundertstel korrigiert wurde.

Der "entthronte" Tim Montgomery hat Powell zu dessen Rekordlauf beglückwünscht. "Ich gratuliere ihm, aber ich bin schockiert, dass er den Weltrekord schon so früh in der Saison gebrochen hat", sagte der US-Amerikaner.

Powell ist erst der vierte Mann ohne US-Staatsbürgerschaft, der sich als "schnellster Mann der Welt" bezeichnen darf. Vor ihm war dieses Kunststück den Kanadiern Percy Williams (1930) und Donovan Bailey (1996) sowie dem Deutschen Armin Hary (1960) gelungen. Der "Weltrekord" des Kanadiers Ben Johnson bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul wurde nachträglich wegen Dopings nicht gewertet.

(apa)

14.6.2005 21:47