Samstag, 18. Juni 2005

Mit Zopf zur Bundeswehr: Lange Haare für deutsche Soldaten sind künftig erlaubt

  • Haar-und-Bart-Erlass als verfassungswidrig verworfen
  • Anlass war Klage eines Soldaten mit Pferdeschwanz

In der deutschen Bundeswehr dürfen einem "Spiegel"-Bericht zufolge künftig nicht nur Soldatinnen, sondern auch männliche Rekruten einen Pferdeschwanz tragen. Das Truppendienstgericht Süd in München habe den so genannten Haar-und-Bart-Erlass, der für Männer und Frauen unterschiedliche Regeln enthalte, als verfassungswidrig verworfen, berichtet das Nachrichtenmagazin in seiner neuen Ausgabe. Anlass war demnach die Klage eines 18-jährigen Soldaten, der seinen 25 Zentimeter langen Zopf nicht abschneiden wollte.

Wegen Befehlsverweigerung war der junge Mann dem Bericht zufolge in eine Zelle gesperrt und vom Kompaniechef mit 150 Euro Geldbuße belegt worden. Nachdem Vorgesetzte ihm bis zu drei Wochen Arrest angedroht hätten, habe er sich von dem Zopf getrennt, aber zugleich Beschwerde eingelegt. Nach Ansicht des Gerichts seien die unterschiedlichen Regelungen für Frauen und Männer "unverständlich", berichtet das Magazin.

Das Gericht habe zudem den Befehl "Zopf ab" als unzulässigen Eingriff in das Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit gerügt. Laut dem Bundeswehr-Erlass muss das Haar männlicher Soldaten "am Kopf anliegen oder so kurz geschnitten sein, dass Ohren und Augen nicht bedeckt werden". Für die "Haartracht weiblicher Soldaten" gilt dagegen nur die Einschränkung, dass sie den "vorschriftsmäßigen Sitz der militärischen Kopfbedeckung" nicht behindern dürfe.

Männliche Soldaten der Bundeswehr müssen vermutlich aber auch künftig kurze Haare tragen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte am Samstag, der so genannte Haar- und Barterlass der Bundeswehr bleibe trotz eines anders lautenden Gerichtsurteils bestehen. Der Sprecher bestätigte aber den Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", wonach der Erlass als verfassungswidrig verworfen wurde. Es handle sich aber um einen Einzelfall, betonte er. (apa/red)

18.6.2005 18:18