Geiselnahme in kambodschanischem Kindergarten: Rache war das Motiv für Tat!
- Eine Ohrfeige soll das tödliche Drama ausgelöst haben
·Geiselnahme endet blutig: Kind getötet
Kambodscha: Kleinkind stirbt bei Befreiungsaktion
Der mutmaßliche Drahtzieher des Geiseldramas in einem internationalen Kindergarten in Kambodscha hat nach Polizeiangaben vom Freitag aus persönlicher Rache gehandelt. Bei dem mehrstündigen Drama im Touristenort Siem Reap waren am Vortag ein kanadischer Bub und zwei der sechs Täter getötet worden.
Der Kambodschaner Chea Khom habe in der vergangenen Woche seinen Job als Fahrer für den südkoreanischen Besitzer eines Restaurants in Siem Reap hingeschmissen, berichtete ein hochrangiger Polizeiermittler. Zuvor sei der Mann von seinem Chef geohrfeigt worden, weil er dessen Kinder angeblich zu spät zur Schule gebracht habe. Khom habe sich daraufhin rächen wollen und mit Freunden den Plan der Geiselnahme ausgeheckt.
"Als er (Khom) die Schule betrat, wollte er eigentlich die Kinder des Koreaners entführen, doch als er die Eltern sah, war er nicht mehr mutig genug", sagte der Polizist weiter. Also sei Khom in einen anderen Klassenraum gegangen und habe die Kinder dort als Geiseln genommen.
Khom, der den dreijährigen Kanadier erschossen haben soll, war wie seine Komplizen nach rund acht Stunden von der Polizei überwältigt worden. Offiziellen Angaben zufolge sollen die Täter am Samstag dem Gericht vorgeführt werden, um wegen Raubüberfalls und Entführung angeklagt zu werden. Sie sind alle 20 bis 30 Jahre alt.
Die Polizei teilte inzwischen mit, sie habe einen fünften Mann festgenommen. Es handele sich um einen 29-jährigen Sicherheitsmann eines Souvenir-Shops, der zwar ebenfalls maßgeblich an den Planungen der Geiselnahme, nicht aber an der Ausführung beteiligt gewesen sein soll.
Polizisten bewachten das Gelände
In dem Touristenort, der im Nordwesten des Landes nahe des weltbekannten Tempels Angkor Wat liegt, herrschte am Freitag Stille. Rund 20 bewaffnete Polizisten bewachten das Schul- und Kindergartengebäude, das Ort des Verbrechens geworden war. Auch Gegenden, in denen sich besonders viele Touristen aufhalten, wurden zusätzlich gesichert.
"Das war eine Lektion für uns", sagte der regionale Polizeichef Noun Bophal. Ärzte im Krankenhaus der Kleinstadt betreuen die betroffenen Kinder inzwischen psychologisch. Unter den Mädchen und Buben aus 14 verschiedenen Staaten sind auch Kinder aus Europa.
Die Geiselnehmer, mit Messern und einer Pistole bewaffnet, hatten am Donnerstagmorgen 29 Kinder in ihre Gewalt gebracht und nach Polizeiangaben anfangs 1.000 Dollar, später dann 30.000 Dollar (24.637 Euro) Lösegeld und einen Zwölf-Personen-Bus für ihre Flucht gefordert. Die Sicherheitskräfte gaben diesen Forderungen zunächst nach, griffen aber ein, als die Kidnapper versuchten, Kinder mit in das Fluchtauto zu nehmen. Die Geiseln waren Anwohnern zufolge überwiegend Kinder von Ausländern, die im Gastgewerbe in Siem Reap arbeiten.
(apa/red)
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