Mittwoch, 15. Juni 2005

Irakische Militärkantine als Zielscheibe: Selbstmordanschlag forderte über 23 Tote

  • Mann zündete seinen Sprengstoffgürtel beim Essen
  • Autobombe in Bagdad explodiert: Mindestens acht Tote

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine irakische Militärkantine sind am Mittwoch mindestens 23 Soldaten getötet worden. 38 weitere Menschen seien verletzt worden, verlautete aus Krankenhäusern. Wie Augenzeugen berichteten, brachte der Attentäter, der mit einer Armeeuniform bekleidet war, mitten in der Kantine des "Friedens-Bataillons" in Khalis, 65 Kilometer nordöstlich von Bagdad, seinen Sprengstoffgürtel zur Explosion.

Nach Angaben des irakischen Verteidigungsministeriums ereignete sich die schwere Explosion um die Mittagszeit. In der Kantine hatte der Attentäter Militärangaben zufolge gewartet, bis die Soldaten zum Mittagessen eintrafen, und brachte dann seinen Gürtel mit Sprengstoff zur Explosion. Die Verwundeten wurden in Krankenhäuser in der nahe gelegenen Stadt Bakuba gebracht. Im Irak sind in den vergangenen Monaten zahlreiche Anschläge auf Mitglieder der irakischen Armee oder der Sicherheitskräfte verübt worden. Mitte April kamen bei einem Anschlag auf ein Restaurant in Bakuba sieben Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Polizisten.

Mehrere Tote bei Explosion einer Autobombe
Bei der Explosion einer Autobombe in Bagdad sind ebenfalls am Mittwoch mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. Nach Polizeiangaben wurden 29 Menschen bei dem Anschlag in der Nähe einer Polizeistreife verletzt.

Die Explosion riss einen Krater in die Straße und zerstörte ein halbes Dutzend Autos, darunter mehrere Polizeifahrzeuge. Unter den Toten und Verletzten waren laut Reuters sowohl Polizisten als auch Zivilisten. Der Attentäter sei im südlichen Stadtteil Saafaraniyah in einem Auto an die Polizei-Patrouille herangefahren und habe seinen Sprengsatz gezündet, teilte ein Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums mit.

Wieder Brand einer Pipeline
Am Mittwoch stand bei Bagdad weiter eine Pipeline in Flammen, die am Dienstagabend das Ziel eines Anschlags der Aufständischen war, wie die Polizei berichtete. Im nordirakischen Kirkuk, wo am Vortag ein Selbstmordattentäter 23 Menschen tötete und fast 100 verletzte, erschossen Polizisten am Mittwochmorgen zwei Männer, die auf eine Polizeipatrouille feuerten. Ein dritter Bewaffneter wurde festgenommen, zwei Polizisten erlitten Verletzungen, wie ein Sprecher mitteilte.

Ansar al-Islam bekennt sich zu Blutbad in Kirkuk
Zu dem Blutbad in Kirkuk vom Vortag soll sich die Terrorgruppe Ansar al-Islam bekannt haben. Das berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabiya am Mittwoch. Bei dem Selbstmordanschlag auf eine Gruppe irakischer Zivilisten, die vor einer Bank in Kirkuk Schlange standen, waren am Dienstag 83 weitere Menschen verletzt worden. Die Echtheit der Erklärung konnte nicht überprüft werden.

Verschleppter Australier befreit
Irakische Soldaten haben unterdessen einen Ende April verschleppten Australier befreit. Der 63 Jahre alte Ingenieur Douglas Wood sei bei einer Militäraktion in Bagdad mit Unterstützung der US-Truppen in Sicherheit gebracht wordenund werde von einem australischen Kriseninterventionsteam im Irak betreut, teilte der australische Ministerpräsident John Howard am Mittwoch mit.

Howard sagte dem Parlament in Canberra, Wood gehe es gut, doch habe er sehr gelitten. "Es ist nicht oft passiert, dass jemand auf diese Weise gerettet wurde", erklärte der Regierungschef. Der Ingenieur lebte lange in Kalifornien und ist mit einer Amerikanerin verheiratet. Er war Ende April entführt worden. Am 1. Mai veröffentlichte die Gruppe Organisation Schura-Rat der Mujaheddin im Irak eine DVD, auf der Wood um den Abzug der 1.400 australischen Soldaten aus dem Irak bat.

(apa/red)

15.6.2005 16:40